Lass uns wahr werden

Gefühle, Geschichten

Es war ein normaler Nachmittag. Sie saß in dem großen Aufenthaltsraum, der ihr Blick auf alle Tanzsäle gestattete. In allen Sälen war hoher Betrieb und die verschiedensten Gruppen, verschiedenste Tanzarten und Alters hielten ihre Stunden.
Sie saß an ihrem PC und arbeitete ihre E-Mails ab. Die Fensterfront in ihrem Rücken ließ den Aufenthalsraum hell von der Sonne leuchten. Sie lächelte und lehnte sich etwas zurück. In ihren Ohen lief eine ruhige Playlist und ihre Augen wanderten zu dem Raum in welchem die unterschiedlichsten Tänzer ihr freies Training abhielten. Eine Ballettänzerin bewegte sich so geschmeidig von dem einen Ecke des Saals in die andere, dass sie kurz glaubte, dass sich diese zu der Musik in ihrem Ohr bewegte.
Sie wurde aus ihrem Moment gerissen, als sich jemand neben ihr niederließ. Langsam wandte sie den Kopf von der schöne grazilen Tänzerin ab und blickte geradewegs in seine Augen.
Er lächelte sie an.
„Was machst du hier?“, fragte er sie beiläufig, während er seine Trainingstasche öffnete und irgendwas zu suchen schien.
Sie sah wieder auf ihren Laptopbildschirm und antwortete dann genauso beiläufig, „Ich versuche zu arbeiten.“
Er schien gefunden zu haben was er gesucht hatte und sah sie nun wieder an. Nicht beiläufig, nicht einfach nur so, nein er hielt ihren Blick. Seine Augen schienen ihre aufzusaugen. Es war als würde er ihr direkt in die Seele schauen.
Sie war gefesselt von der Intensität seiner Augen. Dieses blau, was sie irgendwie zu vereinnahmen schien ohne dass sie es wollte, oder wollte sie es doch?
Irgendein Geräusch ließ ihn seinen Blick abwenden. Wie benebelt versuchte sie herauszufinden was ihn abgelenkt hatte. Seine Flasche, die er wahrscheinlich in seiner Sporttasche gesucht hatte, war ihm aus der Hand auf den Boden gefallen. Er hob sie auf und lehnte sich dann auf seinem Stuhl zurück.
„Also, ich habe jetzt eine freie Stunde, hast du Lust mitzukommen? Ich würde gerne was essen gehen.“
Sie zog eine Augenbraue nach oben und nickte dann zu ihrem Laptop, „Ich glaube ich habe gerade gesagt, dass ich versuche zu arbeiten.“
„Da du es nur versuchst, kann es nicht sonderlich erfolgreich sein. Also kommst du jetzt mit?“
Er lächelte sie an während er aufstand und sich seine Sporttasche über die Schulter schmiss.
Sie verdrehte die Augen, schüttelte leicht den Kopf, schlug dann aber ihren Laptop zu.
„Du kannst ein ganz schöner Quälgeist sein.“
Er lachte nur und antwortete promt, „Dafür werde ich normalerweise bezahlt. Sei doch glücklich, dass du das ganz umsonst bekommst.“
„Wer dafür bezahlt sollte sich dringend eine andere Möglichkeit suchen sein Geld loszuwerden.“, erwiderte sie und folgte ihm dann zur Haupttür.
„Darf ich dich daran erinnern, dass du einer der Personen bist, die sich dann eine andere Möglichkeit suchen sollten, ihr Geld loszuwerden?“
Okay Punkt für ihn. Sie traten raus ins Freie und die Sonne begrüßte sie mit ihren freundlichen Sonnenstrahlen.
Sie sog die Frühlingsluft ein und lächelte über dieses schöne Wetter. Er war dicht neben ihr und sie konnte seine Nähe intensiv spüren. Schnell versuchte sie das zu überspielen und ging etwas voraus die Treppen des Haupteingangs hinunter.
„Wohin willst du gehen?“, fragte sie ihn als sie sich umdrehte und auf ihn wartete.
„Folge mir einfach“, sagte er schmunzelnd und zwinkerte ihr zu.
„Ich soll dir vertrauen? Wer sagt, dass du mich nicht in eine Gasse schleppst und umbringst?“
Jetzt zog er eine Augenbraue hoch und sah sie eindringlich an, „Ernsthaft?“
Sie musste lachen. „Das mach ich doch nicht am hellen Tage, für wie blöd hälst du mich?“, sagte er dann empört.
„Natürlich nicht.“ Sie musste wieder lachen.
Sie gingen die Hauptstraße entlang und dann bog er in eine Nebenstraße ein. Kurz darauf führte sie ihr Weg durch einen wunderschönen Park. Sie begann zu staunen.

„Wow, ich wusste gar nicht, dass es hier einen so schönen Fleck gibt.“
Er nickte und sah ebenfalls in die voluminösen Baumkronen über ihnen. „Ja den Park hab ich vor etwa einem Jahr entdeckt. Seitdem nehme ich diesen Weg hier immer in meiner Pause. Er bringt ein auf andere Gedanken. Hier kann ich immer gut abschalten.“
Ihr Blick wanderte über die Bäume bis sie ihm wieder ins Gesicht sah. Er stand dicht vor ihr und wieder einmal wurde ihr diese Nähe intensiv bewusste.
Er betrachtete noch seine Umgebung und ihr Blick blieb an seinem makellosen Gesicht hängen, den vollen Lippen und diesen intensiven Augen. Seine Haar war wie es üblich war in einem kurzen Haarschnitt perfekt hergerichet. Er war ein schöner Mann, aber das wusste er, da war sie sich sehr sicher. Tänzer wussten das immer.
Sein Blick wanderte nun auch zurück über die Bäume zu ihr. Ihre Blicke trafen sich und sie fühlte sich ein wenig ertappt, weil sie ihn angestarrt hatte. Seine Augen wanderten jetzt musternd über ihr Gesicht. Hoffentlich sah er nicht ihre leicht erröteten Wangen.
Er trat näher zu ihr und überwandt so die letzte Distanz zwischen ihnen. Sein Gesicht war nur Zentimeter entfernt von ihrem.
Ihr Herz begann wie wild zu schlagen und schnell wandte sie den Blick ab, um sich wieder zu sammeln.
„Ich weiß es“, flüsterte er. „Seit ein paar Wochen. Ich kann dir nicht sagen, ab wann ich es herusgefunden habe, vielleicht habe ich es einfach gemerkt. Es gibt keine Musterlösung wie man damit umgehen sollte. Auch uns sagt niemand wie wir mit solchen Situationen umgehen sollen.
Du warst so zurückhaltend. So repektvoll. Ich habe angefangen dich zu vermissen. Ich wollte nicht, dass du anfängst dich zu verstellen, irgendwas anders zu machen, aber ich hatte keine Ahnung wie ich dir das sagen sollte. Und noch weniger wusste ich wie ich dir sagen sollte, dass es mir geht wie dir.“
Sie versuchte zu verarbeiten was er sagte bis sein letzter Satz fiel. Sie erstarrte. Hatte sie das richtig verstanden? Seine Hand wanderte langsam unter ihr Kinn und hob ihren Kopf an, damit sie ihm in die Augen schauen musste.
„Wie du versuche ich mir seit Wochen einzureden, dass es wieder vorbei geht, dass es nur eine vorübergehende Phase ist, aber ich kann nicht mehr. Ich kann mir das einfach nicht mehr einreden.
Du bist einfach so ein liebes und hübsches Mädchen. Jedes Mal wenn du lachst geht für mich die Sonne auf und jedes Mal wenn du mir Kontra gibst macht es noch mehr Spaß, es spornt mich an und lässt mich lachen.
Du bist ein toller Mensch und mein Herz schlägt in deiner Nähe höher. Du fehlst mir, du fehlst mir als mein Mädchen.“
Tränen traten ihr in die Augen. Sie konnte nicht glauben, dass er das grade wirklich gesagt hatte. So lange hatte sie darauf gewartet, dass dieser Moment passieren würde und hier war er.
Sie spürte seine sanfte Hand auf ihrer Wange und konnte seinen Atem auf ihrer Haut spüren. Ihre Augen wanderten zu seinen vollen Lippen, dann wieder zu seinen Augen. Ihr blick traf sich und es war als würde er ihr mit seinen Augen alle Gefühle, die er seit Wochen unterdrückte mitteilen. Sie schloss die Augen und atmete einmal tief ein. War das hier echt? Oder träumte sie gerade?
Sie spürte wie er noch näher kam und dann konnte sie seine vollen und unfassbar weichen Lippen auf ihren spüren. Vorsichtig berührten sie sich und es war als würde ein elektrisierende Welle durch ihren Körper laufen. Behutsam und sanft küsste er ihre Lippen. Langsam legte sie iher Hände um seinen Oberkörper und brachte ihren Körper noch nährer an seinen, so dass zwischen ihnen kein Platz mehr war. Seine Hand an ihrer Wange wanderte nun in ihren Nacken zu ihrem Haaransatz. Seufzend lehnte sie sich gegen ihn während sich ihre Lippen begannen zu erkunden.

Fotos by Michael Traum

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