Musikgeschichten #25

Gedanken, Geschichten

Wenn du deinen Weg verlierst, die Verantwortung für sie aus den Augen, aber es jemand gibt auf den du immer zählen kannst. Ich danke dir.
“False Confidence” von Noah Kahan

And I wonder why I tear myself down
to be built back up again.
Oh I hope somehow, I’ll wake up young again
Aal that’s left of myself
holes in my false confidence.
And now I lay myself down
and hope I wake up young again
hope I wake up young again

Seit vier Jahren gehen wir jetzt unseren Weg gemeinsam. In jeder Lebenslage war sie an meiner Seite  und jede Veränderung haben wir gemeinsam durchgestanden und erlebt. Vor vier Jahren, als ich sie abgeholt habe, hätte ich nie daran gedacht, dass wir mal hier stehen wo wir jetzt stehen. Und doch haben wir all das gemeistert.
Doch es gab Zeiten in denen habe ich meinen Weg verloren. Habe nicht genau gewusst wohin, es gab Eindrücke und Meinungen von außen, Sachen, die ich ausprobieren wollte, Dinge, die ich erleben wollte.
In diesen Zeiten bin ich so mit mir selbst und meiner Umwelt beschäftigt, dass ich meine Verantwortung gegenüber dieser kleinen Lady oft vergesse. Und genauso war es in den letzten Wochen.
Doch da gibt es mittlerweile diese eine Person auf die ich mich zu 100 % verlassen kann, bei der ich weiß, dass mein Mädchen glücklich ist, gut aufgehoben und in guten Händen. Niemals war es ein Problem, wenn ich sie erst um halb 10 abgeholt habe, niemals war es ein Problem, wenn ich übers Wochenende weg war, niemals war es ein Problem kurzfristig zu sagen, ob ich sie über Nacht da lassen kann.
Ja, ich gebe zu, in der letzten Zeit war ich eine schlechte Hundebesitzerin, aber ich habe die beste Hundesitterin der Welt und dafür muss ich jetzt einfach mal Danke sagen, denn wenn sie es vielleicht nicht sieht, sie hat mir in einer schweren Zeit mehr geholfen als irgendjemand sonst. Denn zu wissen, dass der Liebling in guten Händen ist nimmt die größten Sorgen. Ich danke dir.

 

Beats.
„In Hypnose“ von Marika Rossa

16:00 Uhr
Sie verließ das Haus mit Sportklamotten und hatte Musik in den Ohren. Beats.
In einer atemberaubenden Geschwindigkeit lief sie los, ihre übliche Strecke.

17:00 Uhr
Das warme Wasser rann ihren Körper hinab und sie hielt das Gesicht in den Strahl der Dusche. Die Wohnung lag in endloser Stille da. Nur das Rauschen des Wassers.

18:00 Uhr
Sie schnitt sie sich Obst in eine Schüssel und verteilte einen Joghurt darauf. Müsli, Rühreier und Brot standen schon auf dem Tisch. Sie musste ausreichend essen, sonst würde sie die Nacht nicht überstehen.

19:00 Uhr
Sie saß an ihrem Laptop und stellte noch einige Sachen ein und um, die ihr letzte Nacht nicht so gefallen hatten. Dann änderte sie ihr Set und kopierte ein paar neue Beats in ihre Liste.

20:00 Uhr
Aus ihrem Kleiderschrank holte sie eine enge Jeans und ein bauchfreies Oberteil. Es würde heiß werden. Im Badezimmer legte sie Farbe auf und band ihre Haare zu einem langen Zopf zusammen, den sie dann flocht.

21:00 Uhr
Sie nahm ihre gepackte Tasche und warf sich eine Lederjacke über. Ihr Auto stand auf dem Stellplatz und sie lächelte bei diesem Anblick. Als sie losfuhr war es still. Kein Radio. Keine Musik. Keine Beats.

22:00 Uhr
Die Halle vor der sie parkte war riesig. Ein altes Fabrikgelände auf dem mehrere Hallen zusammengeschlossen wurden. Die Erde vibrierte bereits von den Beats und es fühlte sich an wie nach Hause kommen. Am Hintereingang wurde sie nicht mal mehr gemustert sondern direkt durchgewunken. Einen kurzen Moment – und das tat sie immer nachdem ihr bewusst wurde, wie weit sie es gebracht hatte – hielt sie inne und dachte an die früheren Zeiten, als sie alle möglichen Unterlagen bereit halten musste, durchkontrolliert wurde und das in den kleinsten Diskotheken. Jetzt lief sie auf die riesigsten Festivals und keiner fragte mehr. Jeder wusste wer sie war.

22:30 Uhr
Einige Acts saßen in einer großen Lounge und unterhielten sich bereits angeheitert, wobei sie mittlerweile wusste, dass in dieser Branche, zumindest im Kreis der DJs kein Alkohol und keine Drogen konsumiert wurden. Das war ein Job. Und dazu noch ein gut bezahlter. Sie kannte alle, die dort saßen und ebenso wurde sie herzlich und freundlich begrüßt. Da kam von der Seite schon ein Veranstalter. Er begrüßte sie ebenfalls und zeigte ihr dann die Bühne und wo sie was aufbauen konnte. Sie begrüßte einen ihrer besten Freunde, der gerade auflegte und begann dann ihren Laptop und ihre Kopfhörer aus ihrer Tasche zu holen. Die Technik war keinerlei Problem mehr für sie. Sie kannte jedes Kabel und jeden Schalter. Nur in die neuen Mischpulte hineinfinden brauchte immer ein paar Minuten. Er erklärte ihr ein paar Details und sie nickte weil sie nun alles verstanden hatte.

0:00 Uhr
Die Halle war stockdunkel und still. Stille. Sie sog die Luft ein. In ihrem Ohr über die Kopfhörer konnte sie das Intro bereits hören. Und dann ließ es langsam aufflammen. Mit dem Beat kamen die Lichter. Blitzartig zuckten sie über die Menschenmasse vor ihr. Schemenhaft wurde die brodelnde Menge beleuchtet. Sie untermalte das Intro mit Beats, setzte die Kopfhörer kurz ab und konnte sich dann wieder auf die Menge konzentrieren. Sie tanzte mit zur Musik, lachte, ihr guter Freund filmte sie und sonst auch standen – wie mittlerweile immer – ein paar Leute mit auf der DJ-Bühne, die sie filmten während sie ihre Tracks zum besten gab. Sie fühlte die Energie. Sie fühlte die pulsierende Herzen der unendlich vielen Menschen vor ihr und gab ihnen den nächsten Schub. Und dann bebte die Masse auf.

 

Unter der Sonne, wie am ersten Frühlingstag.
“first day of summer” von Jesse Ruben

I know it might sound sappy,
but you make me so happy
like the first day of summer.
I’ll call you darling,
you call me honey.
No, it don’t matter,
if we run out of money.

Er nahm ihre Hand, als sie über den großen sonnenbeschienen Platz gingen. Es war ein Frühlingstag wie aus dem Bilderbuch und sie genoss die ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Haut. Der Platz war noch nicht allzu voll und sie atmete einmal tief durch, denn zu große Menschenmassen mochte sie nicht, auch wenn sie manchmal nicht darum herum kam. Leise Hintergrundmusik wurde aus den Lautsprechern gespielt und sie legte lächelnd den Kopf in den Nacken, als er sie an sich zog und ihr einen Kuss auf die Wange hauchte.
„Na wie geht es meinem Mädchen?“
Sie musste lachen. „Ich fühle mich so unglaublich gut und es ist schön, dass du da bist.“
Er grinste und streichelte dann ihre Wange.
„Es ist schön bei dir zu sein.“
Sie schloss die Augen und genoss seine Aufmerksamkeit und seine Worte. Er tat ihr so gut und die Art wie er sie behandelte war Balsam für ihre gestresste Seele und ihr teilweise noch verletztes Herz.
Auf einmal hörte sie auf, denn die Hintergrundmusik hatte den Song in ein Lied gewechselt, welches sie über alles genoss. Sie konnte nicht mehr zählen wie oft sie das in letzter Zeit im Trainingssaal gehört hatte. Als sie ihm ein Grinsen zuwarf, erkannte sie an seinem Blick, dass es ihm genauso ging. Kurz sah er sich um, um zu schauen, ob sie genug Platz hatten und nahm sie dann in die Tanzhaltung. Sie hüpfte freudig auf beiden Beinen, denn die Musik machte einfach gute Laune. Und dann schwebten sie beide in Sneaker zu der Hintergrundmusik über den Teerplatz. Und es war tausendmal besser als alles was sie sonst tanzten. Denn es war Frühling, die Sonne schien, die Musik nahm sie mit in ihre Vertrautheit und Gefühle füreinander und ihre Bewegungen passten sich perfekt aneinander an. Sie begann zu lachte und nach ein paar Schritten hatte wohl jemand bemerkt wie gut die Musik ankam und drehte sie lauter.
In diesem Moment erfüllte sie ein unfassbares Glück und das war das einzige was zählte. Dass er sie glücklich machte.

 

Verdammt, ich steh auf dich.
„I’m into you” von Jennifer Lopez feat. Lil Wayne

When I look into your eyes, it’s over.
You got me hooked with your love controller.
I’m tripping and I could not get over.
I feel lucky, like a four leaf clover.
I’m into you, I’m into you, I’m into you.

Sie lachte über den Witz einer Freundin und drehte sich dabei leicht, um ihn besser im Blick zu haben. Er sprach mit ein paar Mädels am anderen Ende des Raumes und obwohl sie es ignorierte, zog sich schmerzhaft ihr Herz zusammen.
Sie kannte ihn nun schon seit einiger Zeit. Naja ein paar Wochen. Eine Freundin von ihr, hatte sie hierher mitgebracht und ihr ein paar Leute vorgestellt. Und darunter war er gewesen. Ein unfassbar gut aussehender junger Mann. Sein breiter Rücken, seine dunklen Haare und sein definierter Oberkörper, der sich unter seinem schwarzen Shirt abzeichnete, ließen ihn auch heute wieder sehr attraktiv wirken. Doch das war nicht was sie an ihm so toll fand. Es war seine Ausstrahlung. Seine liebe und nette Art, sich mit jedem zu unterhalten. Wie er seine Mitmenschen und auch sie behandelte. Das was er konnte, seine wissende und intelligente Art, sein sympathisches Lächeln und die gefühlvolle Art, die man spüren konnte, wenn man bei ihm war. Sie hatte ihn seit der ersten Begegnung ins Herz geschlossen, doch sie wusste, wenn sie einen Blick in die Runde warf, dass sie da nicht die einzige war.

Jetzt nahm er eines der Mädchen bei der Hand und führte sie zur Mitte des Raums. Ihre Freundin riss sie aus ihren Gedanken, denn sie stieß sie in die Seite und fragte sie etwas. Da wandte sie sich wieder ihrer Clique zu und versuchte sich am Gespräch zu beteiligen, doch unterbewusst suchten ihre Augen wieder ihn und ihr Herz setzte kurz aus, als sie ihn entdeckte, wie er sich bewegte auf der Tanzfläche mit dem Mädchen im Arm.
Seine geschmeidigen Bewegungen und sein Körper, der sich unter dem schwarzen Shirt nur noch deutlicher abzeichnete. Sein Lachen, weil es ihm so viel Freude bereitete. Sie biss sich auf die Lippen. Verdammt, sie stand auf ihn. Und wie sehr. Er war in ihren Augen der perfekte Mann. Jetzt musste sie ihn nur noch überzeugen, dass sie die perfekte Frau für ihn war.

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