Im Licht der Sonne

Geschichten

Das sanfte Sonnenlicht, welches durch das bodentiefe Fenster in das große Schlafzimmer schien, ließ sie und das Bett sanft leuchten. Sie schlug ihre Augen auf und konnte draußen die Bäume, die sich im sanften Sommerwind wiegten, betrachten. Leise und dennoch wunderschöne kräftige Klaviertöne drangen an ihr Ohr. Sie begann zu lächeln und wusste jetzt von was sie aufgewacht war. Neben dem Bett lag ein langer Strickpullover, den sie sich jetzt über ihr leichtes weißes Nachtkleid zog.

Im ganzen Hause hatte man die Fenster geöffnet und die laue Sommerluft füllte die Gänge und trug die sanften Melodien des Klaviers zu ihr. Langsam und bedacht ging sie durch die Flure und Zimmer des großen Hauses. Dabei strich sie gedankenverloren und der faszinierenden Musik lauschend die helle raue Wand mit ihren Fingerspitzen entlang. Sie ging immer im Strahl der Sonne, die frische Luft einatmend auf dem Weg zu den wundervollen Klaviertönen. Die Baumkronen vor den Fenstern bewegten sich in der Sommerluft und ließen Sonnenflecken auf dem Boden tanzen. Sie lächelte zufrieden und konnte die Ruhe spüren, die sich in ihre ausbreitete. Unter ihren nackten Füßen fühlte sie den rauen Holzboden und jede einzelne Faser des Holzes. Sie holte zufrieden einmal tief Luft und bog dann um die Ecke in das größte Zimmer des Hauses.

Sie lächelte bei seinem Anblick. Er saß mit seinem weißen T-Shirt und noch etwas vom Schlaf unordentlichen Haaren an dem großen hellbraunen Flügel, auf dem sich nun auch das Sonnenlicht brach und hauchte dem riesigen Instrument mit zarten Bewegungen seiner Finger Leben ein. Das Klavierstück hallte immer noch sanft und ruhig durch das Haus und schien niemals zu Enden. Er saß mit dem Rücken zu ihr und sie lschritt langsam die Treppen hinunter um auf seine Höhe zu kommen. Bedächtig ging sie langsam um ihn herum bis sie vor der großen Fensterwand stand, die komplett geöffnet war und sah, wie er die Augen geschlossen völlig in das Stück vertieft weiter die nächsten Töne spielte. Völlig gefangen von seinem Gesicht und der Sonne, die es leuchten ließen blieb sie stehen und sah im zu. Ihre Finger ließ sie über die lackierte Seitenwand des Flügels gleiten, als würde sie die Töne nachzeichnen. So geweckt zu werden war unfassbar schön. So den Tag zu starten war überhaupt eines der schönsten Gefühle.
Sie sah auf, als er eine neue Melodie anschlug, völlig übergangslos von dem einen Stück ins nächste. Es war etwas schneller und sie begann sich zu regen. Langsam ging sie in die Mitte des Raumes, in welchem bis auf den Flügel sowieso nur noch wenige Möbelstücke standen. Und dann begann sie zu tanzen. Erst mit langsamen bedachten Bewegungen bis sie sich schneller, wie schwebend, durch den Raum bewegte. Es war wundervoll die zarten Töne zu ihren Bewegungen zuzuordnen und durch ihre geschlossenen Lider das Lichtspiel der Sonne auf ihrer Haut zu spüren. Nach einiger Zeit wurde sie langsamer atmete tief ein und aus und ging zu ihm ans Kalvier. Langsam setzte sie sich neben ihn, strich langsam und sanft mit ihrer Hand durch sein Haar und vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter. Er ließ das Lied langsam ausklingen und zog sie dann in seine Arme.
Und so saßen sie, an einem großen hellbraunen Flügel in einem riesigen sonnendurchfluteten Raum und das einzige was zählte waren alle Gefühle, die sie gemeinsam und einzeln empfanden und somit dem ganzen Anblick einen unfassbaren Ausdruck an Emotionalität gaben. Denn sie sind. Sie waren nicht und sie werden nicht sein. Sie sind.

Fotos by J.H.Artworks

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