Ein gutes Team

Geschichten

für Mila,
die mir einen Kindheitstraum erfüllt hat.

Diese Kurzgeschichte habe ich mit ca. 15 oder 16 Jahren geschrieben. Damals war es ein ganz großer Traum von mir ein eigenes Pferd zu haben. Diesen Traum habe ich mir genau vier Jahre später erfüllt und ich kann es bis heute nicht glauben, dass mir das Glück passiert ist einen meiner größten Träume erfüllen zu können. Deswegen widme ich jetzt Mila, meiner Stute, diese Geschichte, die mir zwei glückliche Pferdejahre geschenkt hat und wünsche ihr, dass es ihr nun gut geht im Himmel. Irgendwann sehen wir uns wieder.

Ich hatte meine Köpfhörer im Ohr und der Beat beschrieb denselben Rhythmus, wie die großen Galoppsprünge des Pferdekörpers auf dem ich gerade über die Wiese galoppierte.
Honeymoon bewegte sich geschmeidig und muskulös unter mir und ich passte mich ihren eleganten Bewegungen an. Ich hielt die Zügel ganz locker und lies ihr somit freie Hand. Sie nutzte es und galoppierte. Mit einer Eleganz, die mir fast schon Angst machte.
Meine Haare wehten im Wind und ich spürte die frische Sommerluft, die sanft um mein Gesicht spielte. 
Da sah ich das Ende der Wiese und den Weg den ich jetzt einschlagen musste. Vorsichtig nahm ich die Zügel kürzer und parierte Honey zum Schritt durch. Während wir den Weg, der jetzt steil nach oben ging in langsamen Schritt bestiegen beugte ich mich über ihren Hals und streichelte sie.
„Das war einfach wundervoll, meine Hübsche.”
Honey schnaubte wie zur Bestätigung und wurde augenblicklich wieder schneller.
„Hey, hey, nur langsam. Nicht so übermütig.“
Ich lachte und graulte ihr ein weiteres Mal den Hals. Der Weg führte durch dichten Wald. Doch jetzt, als wir fast das Ende des Hügels erklommen hatten, lichtete er sich und der Rest, bis hinauf an den Platz, an dem uns das Gipfelbänkchen erwartete, war reiner Asphaltweg, oder links davon wieder eine komplette weite Wiese.
Ich spürte wie sich Honey unter mir anspannte. Sie wartete auf mein Kommando.
Meine Aufmerksamkeit wurde für einen kurzen Moment auf den Gipfel gelenkt, auf dem schon alle um das Bänkchen herumstanden und warteten. Aber das war nicht, was meine eigentliche Aufmerksamkeit erregte. Es war die Menge. Normalerweise waren wir fünf bis sechs Leute. Doch dort oben standen bestimmt fünfzehn Personen. Wo kamen die alle her?
In meinen Ohren stimmte meine Playlist ein neues Lied mit tollem Beat an und ich fing an zu lächeln. Langsam beugte ich mich zu Honey und noch bevor ich ein Wort sagte schnaubte sie laut und wurde schneller.

Mila und ich - LieblingsbildOkay, dachte ich und gab ihr somit die Zügel frei. Honey fiel in einen noch kraftvolleren Galopp, als er vor ein paar Minuten noch gewesen war. Ich passte mich  ihrem Rhythmus an und beugte meinen Körper ganz dicht über ihren Hals. In der Bewegung stellte ich mich in die Steigbügel und schloss meine Augen, um das Pferd unter mir zu fühlen. Ich lauschte dem Lied, spürte die kraftvollen Bewegungen unter mir und fühlte wie sich in mir eine Gefühl von großer Freiheit ausbreitete. Ein lautes Lachen stieg meine Kelhe empor und ich genoss den Moment.
Am Ende des Weges angekommen wurde Honey langsamer und fiel ein einen schönen Schritt. Ich bog nach links ab und ritt die letzten paar Meter bis ich bei den ganzen Leuten angekommen war.
Es standen mindestens fünf Autos am Wegrand. Honey atmete schwer, prustete aber fröhlich und schüttelte ihre Mähne. Ich musste über ihren Übermut lachen und lobte sie nochmals. Sie zeigte keinerlei Anzeichen von Angst vor den anderen Jugendlichen, die mich und sie jetzt aufmerksam, neugierig und teilweise total erstaunt musterten.
“Hey Leute.”
Ich grinste, noch ganz glücklich über den Ritt, in die Runde.

Mila und ich SWDie Hälfte kannte ich tatsächlich nicht. Wahrscheinlich Freunde von Linda und Kevin. Linda schaute mich mit einem undefinierbaren Blick an.
Ich klopfte Honey den Hals und stieg dann schwungvoll ab. Schnell zog ich meine Kopfhörer aus dem Ohr und schaltete mein iPod aus. Dann führte ich Honey zum Gras, die sofort freudig anfing zu fressen, und lies sie dann einfach dort stehen. Es war immer noch still und jeder beobachtete mich genau.
„Tut mir Leid, dass ich zu spät bin. Ich bin heute leider nur ein bisschen zu spät losgekommen.“
Statt zu antworten fragte mich Linda gleich schnippisch, „Läuft die nicht weg?“
Ich schüttelte nur lächelnd den Kopf.
„Quatsch, die ist jetzt erstmal glücklich etwas fressen zu können.“
Ich schaute sie zwinkernd an und ging dann zu meinem Freund, der mit einem Grinsen das ganze Geschehen beobachtete.
„Hallo mein Schatz.“, begrüßte er mich und ich gab ihm einen Kuss. Als ich mich umdrehte starrten mich immer noch alle an. Manche konnten sich nicht entscheiden, ob Sie jetzt das Pferd oder mich anschauen sollten. Ich verdrehte die Augen.
„Leute, das ist nur ein Pferd. Jeder von euch kennt doch so ein Geschöpf. Es gehört mir, ich musste heute noch ausreiten und bin deshalb den schönen Weg hierher geritten. Was ist denn jetzt das Problem?“ 

Fotos by Alexander Seegis

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