Musikgeschichten #18

Gedanken, Geschichten

Stell dir vor, es fließt helles goldenes Licht in dich hinein.
“Dieses Leben” von Juli

Ich seh’ mich fallen
Doch ich geb’ nicht auf
Denn ich liebe dieses Leben
Ich liebe den Moment in dem man fällt
Ich liebe dieses Leben
Und ich liebe diesen Tag
Und ich liebe diese Welt
Ich liebe dieses Leben

Das Lächeln und die beruhigende Stimme des Arztes.
Die netten und zuvorkommenden Krankenschwestern.
Die Ruhe und irgendwie sogar ein bisschen Geborgenheit im Umgang in der Klinik. Nichts war laut. Nichts war hektisch.
Die weiche warme Bettdecke, die mich wohlig umschlossen hat und mir ein heimischen Gefühl gab. Das Licht, welches den Aufwachraum und auch meinen kleinen, mit Vorhängen abgetrennten Raum, durchflutet hat. Die große Fensterfront hinter meinem Kopf, die ein wunderbares Lichtspiel auf meine Haut geworfen hat.
Als ich hinunter zu meinem Zugang gesehen habe und festgestellt habe, dass er sogar rosa ist. Ein Lächeln. Von mir. Mitten in dieser doch eigentlich beängstigenden Situation.
Im OP, als ich die zwei netten Helferinnen begrüßt habe, die sich mir mit Vornamen vorgestellt haben und ich sogar lachen musste, weil es mir so gut ging. Der Arzt, der mir beruhigend und lieb nochmal kurz über die Wange gestreichelt hat.
“Es wird alles gut. Das schaffen sie.”
Diese kleinen und lieben Gesten.
Das goldene strahlende Licht, als mich die Narkose langsam mit in einen Traum am Strand genommen hat. Meine ganze Familie und Freunde bei mir. Ein wundervolles Gefühl.
Das langsame und sanfte Aufwachen im lichtdurchfluteten, warmen und ruhigen Aufwachraum.
Schmerzen. Ja, ich hatte Schmerzen. Aber die liebe Krankenschwester, die mir sofort Tabletten, einen Tee und etwas zu Essen gebracht hat.
Das langsame dösige Aufwachen und das schwinden der Schmerzen. Und als ich dann wach war und die warme Decke über mir wahrgenommen habe, ist sogar die Wolkendecke aufgerissen und hat goldene Lichtstrahlen auf den Stoff geworfen.

Ich hatte riesige Angst. Ich war so froh, dass meine Mama mich so sehr beruhigt hat, dass ich in einem gefassten Zustand in die OP gehen konnte. Ja ich hatte Schmerzen. Ja es war unangenehm. Und ja es dauert jetzt auch einen Heilungsprozess. Aber ich habe mich während der Sache so wohl gefühlt, dass ich das mit euch teilen musste. Es war so schön und ich wurde so gut und nett umsorgt. Ein riesiges Danke einfach dafür.

Weil du da bist.
“Shape of you” von Ed Sheeran

and last night you were in my room
and now my bedsheets smell like you

Sie öffnete die Augen und wollte die tanzenden Mondlichter auf dem Kissen neben ihr beobachten, so wie zurzeit jede Nacht, in der sie sich in diesen wunderbaren Lichtern verlor. Doch als sie die Augen aufschlug sah sie nicht die Lichter auf ihrem Kissen. Die Lichter tanzten auf einem friedlich schlafenden Gesicht. Ein Lächeln trat auf ihre Lippen. Der Anblick von den leuchtenden Streifen, die die Jalousie ins Zimmer ließ, auf seinem Gesicht beruhigte sie noch mehr wie nur auf ihrem Kissen. Seine Hand lag neben seinen leicht geöffneten Lippen und sie berührte mit ihren Finderspitzen sanft seine Finger, nur um zu sehen, dass sie das hier nicht träumte. Er war wunderschön und es wirkte magisch und mystisch im fahlen Licht des Mondes ihn neben sich liegen zu sehen. Es war einfach nur wundervoll. Sie seufzte einmal zufrieden, richtete sich auf und legte ihre Lippen auf seine weiche Wange. Ein Lächeln fing nun an langsam seine Lippen zu umspielen. Sie strich ihm nochmal mit den Fingern über die weiche Haut und legte sich dann wieder neben ihn. Völlig ruhig und entspannt schloss sie die Augen und war kurz darauf wieder eingeschlafen.

Vergraben. Begraben. Verstecken. Verschüttet. Suchen. Verloren. Beginnend. Wissend. Angstvoll.
“An und für dich” von Antje Schomaker

Wir hören den gleichen Regen
In einem andern Leben
Und ich sehe dich
Ich hab nur deine Nähe nicht
Wir können uns wenden können uns drehen
Die Regentropfen zählen
Aber an und für dich
An und für dich

Zwischen den Fetzen von Gedanken und Wörtern, die Gefühle zu Sätzen formen und dennoch die Hoffnung keimt, nichts davon aussprechen zu müssen. Doch es ist nicht immer alles gut. Und man ist wütend.
Sie war unfassbar wütend.
Fetzen ihrer Ausbildung, geprägt und vielleicht doch nicht geprägt. Signalisieren, dass es zu Ende ist. Doch mit diesem Ende ein Anfang beginnt.
Begraben.
Eine Anfang mit Unsicherheit. Unter den letzten Überbleibseln aus einem anderen Abschnitt in ihrem Leben. Vielleicht aus anderen Gedanken wohin der Weg geht.
Der Anfang. So oft. Und ein Ende gab’s nie. Bücher. Geschichten die fertig erzählt werden wollten. Und sie hat sie nie beendet. Sie hat sie stehen lassen. Irgendwo zwischen dem Gedankenwald.
Wörter, die nie ausgesprochen werden.
Gedanken, die nie zu Ende gedacht werden.
Welten, die nicht bis zum Ende erschaffen wurden.
Geschichten, die nicht fertig erzählt werden.
Und sie. Begraben darunter.
Nicht wissend, ob sie sich ausgraben wollte. Und damit die Geschichten, die Bücher und vielleicht die Zukunft.
Aber vor allem nicht wissend, ob sie wollte was auf sie zukam. Also versteckte sie sich ein  Weilchen. Unter all den Geschichten, Skripten, Wissen.
Was wollte sie wirklich.

Wenn die Vergangenheit dich zu dem gemacht hat, was du jetzt bist.
“Happier” von Marshmello & Bastille

When the morning comes
When we see what we’ve become
In the cold light of day we’re a flame in the wind
Not the fire that we’ve begun
Every argument, every word we can’t take back
‘Cause with all that has happened
I think that we both know the way that this story ends
Know that means I’ll have to leave
Lately, I’ve been thinking
I want you to be happier

Er lag in seinem Bett und sah durch das Dachfenster hinaus in den klaren Sternenhimmel.
Die letzten zwei Jahre waren viel zu schnell an ihm vorbei gezogen. Er bereute es nicht jeden einzelnen Moment in sich aufgesogen und genossen zu haben.
Sie, lachend neben ihm. Schlafend, neben ihm. Glücklich. Wie hatte er nur zulassen können, dass sich das geändert hat. Wie hatte er dies nicht bemerken können.
Ihre Tränen, als sie gegangen war. Der Schmerz in seinem Herzen.
Der Ring. Der Saal. Das Wohnzimmer, leer. Das Pferd wiehernd nach ihr. Der Hof. Das Schlafzimmer. Die Bilder. Das Sofa. Die Kaninchen.
Es war viel passiert in den letzten Wochen.
Er drehte sich um und er konnte die Tränen nicht mehr zurück halten.
Seine Hand berührte den leeren Platz neben sich.
So wie es jetzt war, war es wohl besser. Er hätte ihr niemals geben können was sie gebraucht hatte, das wusste er jetzt.
Dennoch hatte er nicht nur sie verloren. Nein, er hatte seine Freundin, seine zukünftige Frau und seine beste Freundin verloren. All das gleichzeitig.
Der Schmerz war groß. Und das würde er noch eine Weile sein.

Foto by J.H. Artworks

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