Musikgeschichten #17

Gedanken, Geschichten

Bewusstsein. Über mich und meinen Körper. Genießen. Um zu leben.
“To build a home” von The Cinematic Orchestra 

There is a house built out of stone
Wooden floors, walls and window sills…
Tables and chairs worn by all of the dust.
This is a place where I don’t feel alone
This is a place where I feel at home… 

Sinnlichkeit.
An einem sonnigen kalten Herbstnachmittag, wenn sie lesend nur mit einem flauschigen Pullover bekleidet in ihrem kuscheligen Bett liegt und ein Buch ließt. Die Tasse mit dampfenden Tee, die auf ihrem Nachttisch stand und die drei flauschigen Kissen auf denen sie es sich gemütlich gemacht hatte.  

Leidenschaft.
In jeder Wölbung, Kurve und Silouhette ihres Körpers, der von den warmen Sonnenstrahlen, die durch das große Fenster schienen zum Leuchten gebracht wurde. In jedem Schatten, den dieses Licht auf ihren Körper fallen ließ.  

Eleganz.
In jeder ihrer Bewegungen, wenn sie sich drehte, um eine bequeme Position zum Lesen zu finden. Wenn sie sich gedenkenverloren durch die Haare strich und ihre Hand spielend an ihrer Kette an ihrem Hals verweilen ließ. 

 Schönheit.
In der Ebenheit und Farbe ihrer Haut. In den zufriedenen Gesichtszügen, wenn sie zu lächeln begann, weil sie eine lustige Stelle gelesen hatte. In jedem Blickwinkel, mit welchem man ihren wie von selbstverständlich nur halb bekleidet Körper auch ansah. 

 Herbstzeit. Nachdenkzeit. Genießzeit. Kuschelzeit. Und Zeit für sich selbst und seinen Körper. 

 

Weil man Alleinsein lernen muss…
“Einmal” von Mark Forster

Doch ich war da zum Glück
Nicht alles kann ich wieder haben
Freude, Trauer, Liebe, Wahnsinn
Und ich war da zum Glück
Nicht alles kann ich wieder haben
Freude, Trauer, Liebe, Wahnsinn
Doch was ich weiß, ich trag ihn für immer bei mir.

Sie schloss die Wohnungstüre auf und begrüßte ihren Hündin, die ihr schon freudig entgegen sprang.
Lichtschalter betätigen. Schuhe von den Füßen streifen. Schlüssel in die Ablage.
Ein Blick in den Spiegel im Flur.
Müde. Hübsch. Lebendig. Und doch irgendwie verloren.
Im Badezimmer verbrachte sie nicht viel Zeit und legte sich dann in ihr großes Bett.
Die Uhr zeigte 4:30 Uhr.
Gedanken. Überall flogen kleine Eindrücke in ihrem Kopf herum.
Sie drehte ihren Kopf und drückte ihn in ihr Kissen.
Getanzt. Gelacht. Gelebt. Gefeiert.
Er, irgendwo verschwommen zwischen Erinnerungen und Ereignissen, die im Moment passierten. Personen, die sich in ihr Blickfeld schoben. Bereits bekannt oder neue Bekanntschaften. Herzklopfen und Lachen. Spaß und Freude. Gute Gefühle.
Ihre Hand legte sich auf den leeren Platz neben sich. Sie war allein. Und zum ersten Mal seit sehr langer Zeit war es okay. Es war okay. Allein zu sein. Es war okay. 

 

Wenn du deine Gedanken einfach fliegen lassen solltest…
“O” von Coldplay

Still I always look up to the sky
Pray before the dawn
‘Cause they fly away
One minute they arrive,
Next you know they’re gone
They fly on
Fly on 

Sie lag in ihrem Bett und beobachtete wie die Straßenlaterne durch die leicht geöffneten Jalousien Lichtstreifen auf die Kissen und die Decke warf. Es faszinierte sie und sie mochte diese magischen Momente. Sie drückte sich tiefer in ihr Kissen und berührte mit ihrer Hand die Lichtpunkte.
Sie versuchte sich vorzustellen wie ihre Gedanken zu diesen Lichtern wurden und schön geordnet nebeneinander in Streifen leuchten könnten. Doch das taten sie nicht. Sie flogen wie ein Schwarm Vögel durcheinander. In diesem Moment etwas ruhiger. Tagsüber etwas wilder. Manchmal holte sie ein paar Vögel von ihrem Gedankenhimmel und zeichnete sie auf weißes Papier. In Wort und Text. Aber meistens blieb alles in ihrem Kopf. Wild und unruhig und ungeordnet.
Da war er. Und da waren die Vorstellungen und Gedanken über ihn. Da waren ihre Träume. Von der Zukunft. Von ihm. Mit ihm. Sogar allein. War es richtig darüber nachzudenken? War es richtig sich überhaupt Gedanken zu machen? Darüber. Was würden die anderen sagen? Ihre Freunde und Familie? Wie Ernst meinte sie denn alles? Wie tief saß der Schmerz von früher noch?
Das Licht der Straßenlaterne malte nun auch Streifen auf ihr Gesicht. Tränen traten ihr in die Augen. Manchmal hatte sie das Gefühl, dass die Vögel anfingen zu kämpfen. Und sie die Kontrolle über ihre Gedanken verlor. Dann ließ sie alle zu. Sie ließ alle Vögel fliegen und hörte zu. Denn meistens erkannte sie dann die richtige Antwort. Meistens wusste sie dann was sie zu tun hatte. 

 

Jeder Mensch hinterlässt Spuren in deinem Leben, sowie du Spuren in dem Leben anderer Menschen hinterlässt.
“Roman” von Philipp Poisel

Ich will ein Roman sein auf den Seiten deines Lebens 
Geschrieben mit Tinte, schwarzer Tinte aus deinem Herz 
Ich will ein Orkan sein, keine kurze Geschichte 
Ein Manifest, für das du aufstehst in der Nacht

Ich finde Menschen faszinierend. Ich mag ihre Facetten. Ihre Mimiken und Gesten. Ich finde es toll immer wieder neue Menschen kennen zu lernen. Ich bin neugierig auf ihre Geschichten, ihr Leben, ihre Lebenserfahrungen, Meinungen und Vorlieben. Ich würde am liebsten ihre ganze Lebensgeschichte erfahren. Ob alt oder jung, ob männlich oder weiblich, verwandt oder ganz fremd. Mich interessieren die Menschen. In der Bahn begegnen mir täglich Menschen, zu denen ich mir, aus ihrer Kleidung, ihren Gesichtern, ihrer Ausstrahlung, alledem was sie umgibt, Geschichten in meinem Kopf zusammenreime. Ich tauche ein in eine faszinierende Welt voller Lebensgeschichten, die mich mitreisen und in den Bann ziehen. Manchmal berühre ich ihre Geschichten nur. Schaue sie mir kurz an und wandere dann weiter. Doch manchmal fesseln sie mich und ich kann nicht mehr aufhören Geschichte um Geschichte nieder zu schreiben. Die meisten mit wahrem Hintergrund zu dem jeweiligen Menschen, immer eingeflossen mit meiner eigenen Kreativität. Diese Menschen üben eine Anziehung und Faszination auf mich aus, dass ich einfach nicht mehr loslassen kann.
Manchmal lässt die Begeisterung nach einigen Geschichten nach. Manchmal entfacht sie noch mehr Geschichten. Manchmal bleibt sie konstant. Und manchmal ist es nach einer Geschichte schon zu Ende. Die Faszination und Bewunderung für die Menschen bleibt natürlich. Doch die Inspiration kommt dann von neuen Bekanntschaften. In der letzten Zeit habe ich sehr viele unterschiedliche Menschen kennen gelernt. Alle hatten sie die unterschiedlichsten Berufe, Bildungsstände, Hobbys, Meinungen und Interessen. Jeder einzelne war für mich eine Besonderheit.
Sie nehmen mich mit ihrem Leben mit auf eine kleine Reise. Jedes einzelne Mal. Und ich bedanke mich bei jedem einzelnen, dass sie mich in ihr Leben gelassen haben.

Wenn man den Moment beschreiben müsste, würde man „süß“ sagen. Immer und immer wieder.
“Meant to be” von Arc North feat. Kristina Maria

I want you to see that 
this is a love 
that we both feel


Der Bildschirm leuchtete auf. Eine neue Nachricht. Aber das war nicht, was den Blick auf sich zog. Es war das Bild, welches erschien. Das Hintergrundbild. Ein junger Mann mit einem Handy, hatte den Spiegel gegenüber fotografiert. Eine junge Frau drückte ihm einen Kuss auf die Wange, in dem Moment als er auf den Auslöser drückte. Das war was man sah. Einen jungen Mann und eine junge Frau, sie ihm eine Geste der Zuneigung schenkend, während er diesen Moment festhielt. Doch dieser Moment war mehr gewesen. Hatte viel mehr gesagt, viel mehr ausgedrückt. Und wenn man genau hinsah, erkannte man das auch. Seine Wangen leuchteten leicht rosig. Ihre Hand lag sanft auf seinem Bauch und ihr Gesicht schien zu strahlen. Das sanfte Lächeln während ihres Wangenkusses und seine Hand, die auf ihrer Hüfte lag. Auf den ersten Blick hatte das Bild flüchtig ausgesehen. Zwischen Tür und Angel entstanden. Und vielleicht war es das ja auch. Aber wenn man die Zeichen richtig deuten konnte, erkannte man die liebevollen Gefühle in dem Foto. Das was man auf den ersten Blick vielleicht nicht sehen konnte. Auf den zweiten Blick strahlte es so viel mehr Zuneigung aus. Und noch etwas. Etwas Seltenes. Man konnte die Sanftheit, die Behutsamkeit, die Vorsicht und den Respekt zueinander sehen. Das was man niemals vermutet hätte mit einem Foto einfangen zu können.
Und wenn es nur ein Schnappschuss war. Die Gefühle und die Ehrlichkeit, die dieser festgehalten hatte, war atemberaubender wie jedes bearbeitete Pärchenfoto von einer Magazinseite.

Foto by J.H. Artworks

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