Musikgeschichten #15 oder Der Urlaub mit Ende

Geschichten

Bring mich ans Meer…
„Ans Meer“ von Silbermond

Wenn alles zuviel wird, bring mich dort hin,
dreh meine müden Segel in den Wind,
füll meinen Atem, feder mein Herz, bring mich zur Ruhe,
bring mich ans Meer.

Der Himmel malte ein wunderschönes Gemälde aus verschiedenen ineinander laufenden Rottönen an den Horizont, während sie über den Deich ging und der Küstenwind ihr die Haare aus dem Gesicht bließ. Die Luft war angenehm und fühlte sich überhaupt nicht kalt an. Der Abend war wunderschön und das Licht, welches über die Dünen und den Deich fiel, hatte fast schon etwas Magisches. Sie lächelte und ihr Herz ging auf, als sie ihn mit ihrer Hündin spielen sah. Vergnügt rannten sie den Deich entlang und ihre kleine Maus hüpfte vor Aufregung wie ein Kaninchen.
Ihr Blick wanderte wieder auf die Ebene vor ihr. Die Gräser der Dünen bewegten sich sacht im Wind.
Irgendwo an diesem Abend fand eine Halloweenparty statt, für die sie früher alles gegeben hätte, um hingehen zu können. Jetzt fühlte sie nichts, wenn sie daran dachte.
Irgendwo waren ihre Freunde an diesem Abend. Aber sie waren weit weg und irgendwie zählte das im Moment auch nicht. Sie war hier. Auf diesem Fleckchen Erde, welches so unbedarft und unberührt aussah. So frei von allen Problemen da draußen. Er der lachend mit ihr und dem Hund diese Freiheit genoss und sie hinnahm wie sie war. Es war fast so als würde auf diesem Stück Erde die Zeit stehen bleiben. Und das war gut so. In diesem Moment.

 

Du kannst die Wellen hören, als wärst du eine von ihnen…
„The Saltwaterrom“ von Owl City

with your ear to a seashell
you can hear the waves
in underwater caves
as if you actually were inside
a saltwater room

Sie sah auf und musste zweimal hinsehen um begreifen zu können was für ein wunderschöner Anblick sich ihr bot. Sie hatte sich auf den kraftvollen Pferdekörper unter ihr konzentriert, der in einem wunderschönen ausladenden Galopp den Stand entlang galoppierte und die Freiheit genoss. Der Wallach prustete glücklich ab und sie lachte während sie ihn lobend am Hals kraulte.
„Gut gemacht“, flüsterte sie ihm zu und widmete sich dann dem atemberaubenden Blick über dem Horizont. Als sie losgeritten waren, hatte es leicht genieselt und der Himmel war mit grauen Wolken verhangen gewesen, doch je mehr sie dem Strand entgegen geritten waren und dann das Watt überquert hatten war der Himmel plötzlich aufgerissen. Sie waren nun am Meer angekommen, was bei Ebbe ein wenig gedauert hatte, aber nun ritten sie durch die Wellen und über ihnen der weite blaue aufgerissen Himmel. So viel Schönheit der Natur hatte sie schon lange nicht mehr gesehen. Sie fing an zu lachen und die Reiterin vor ihr drehte sich verwundert und fragend um. Sie schüttelte nur den Kopf, beugte sich zu dem starken Pferdehals unter ihr und flüsterte, „Wenn sie diese Schönheit nicht sehen kann ist sie selbst Schuld.“
Der Wallach prustete wie zur Zustimmung nochmals und dann galloppierten sie durch die Wellen und über den Strand.

 

Und dann war das das Ende. Aber es war ein schönes Ende. Und es ist gut so.
„Eisener Steg“ von Philipp Poisel

Ich will dich einmal noch lieben
wie beim allerersten Mal.
Will dich einmal noch küssen
in deinen offenen Haaren.
Ich will einmal noch schlafen,
schlafen bei dir.
Dir einmal noch nah sein
bevor ich Dich für immer verlier‘.

Dein schelmisches Grinsen, mit dem du mich ab und zu anflirtest.
Deine Hand auf meinem Bein bei jeder Autofahrt.
Wie du bei jedem Essen, in jedem Restaurant, in jedem Cafe deine Beine unter dem Tisch an meine stellst, damit ich spüre, dass du da bist.
Deine Lippen auf meinem Haar, wenn du mir einen Kuss auf die Stirn gibst.
Dein Arm, der mich am dich zieht, wenn wir spazieren gehen.
Deine liebevolle Art mit meiner kleinen Maus umzugehen, als wäre sie deine.
Wie ihr zwei tobt und spielt, lässt mich innerlich aufblühen.
Wie du nachts immer bei mir bist und darauf achtest, dass ich bei dir bin. Deine Hände, die mich immer auf irgendeine Weise berühren und wenn sie das nicht tun, dann mindestens ein Bein.
Dein Lachen, wenn der Hund mich mal wieder ignoriert.
Deine ruhige Art mit stressigen Situationen umzugehen.
Deine Finger, die sich immer wieder in meine Hand schieben.
Deine Lippen auf meiner Wange, um mir eine Gute Nacht zu wünschen.
Dein Brummen am Morgen, wenn du noch nicht aufstehen willst.
All das und noch viel mehr bist du. Du für mich. Warst du für mich.
Wenn du gehen willst werde ich das hinnehmen. Ich muss es nicht verstehen und hinterfragen werde ich es auch nicht mehr.
Es ist deine Entscheidung mit der ich leben muss, die ich aber nicht im Recht bin anzuzweifeln und zu ändern.
Du hast mir auf eine Weise gut getan, auf die mir noch keiner gut getan hat.
Ich danke dir für alles. Für all das. Und für noch viel mehr.
Vielleicht werden wir uns irgendwann wieder sehen. Und bis dahin wünsche ich dir alles Gute und Liebe und hoffe für dich, dass du irgendwann deinen inneren Frieden und dein Glück findest.

 

Und du stehst da wie im Nebel. Die Erinnerungen verblassen und irgendwann sind sie nur noch der Nebel der Vergangenheit.
„Roman Holiday“ von Halsey

Do you remember the taste of my lips that night?
I stole a bit of my mother’s perfume
and our heart’s gone
and the timing’s never right
for now let’s get away
on a roman holiday
but don’t look back

Und da lag es einsam und verlassen, aber es lag noch dort. Dort auf dem grauen Betontisch. Es schimmert in dem orange und blau des Logos.
Und da lag es, das aufgeschnittene Festivalbändchen. Es hinterließ irgendwie einen fahlen Nachgeschmack in dem Raum. Jedes Mal wenn man ihn betrat zog es den Blick magisch auf sich, obwohl es so unscheinbar schien. Dennoch hatte es eine Ausstrahlung, die jeden in seinen Bann zog.
Es lag nicht an der Tatsache, dass es ein kleiner Gegenstand war, sondern daran, dass es zu reden schien. Es war als erzähle es eine Geschichte. Eine bedeutungschwere, emotionale, liebevolle Geschichte. Die Geschichte, die geendet hatte bevor man ihr eine Chance gegeben hatte. Es war fast so als würde dieser kleine Gegenstand die Hoffnung in dieser Geschichte noch nicht aufgeben wollen.
Aber es schien ihm niemand zuzuhören.
Sie kam schon lang nicht mehr.
Und er. Er sah dieses Bändchen jeden Tag von neuem an, um sich daran zu erinnern, was er aufgegeben hatte und dass er so viel Glück nie wieder haben würde. Und dass er den größten Fehler seines Lebens gemacht hatte. Jeden Tag aufs Neue. In der Hoffnung es nie wieder zu tun.

 

Und da drehte er sich um und in seinen Gedanken sie.
Ihr Lachen, ihr Gesicht, ihre leuchtende Augen.
Doch als er neben sich blickte lag da nicht sie.
Neben ihm lag eine mit der er sich nicht einmal im Ansatz identifizieren konnte.
„Ghost“ von Halsey

you’re a rolling stone boy
never sleep alone boy
got a million numbers
and they’re filling up your phone, boy
what happened to the soul that you used to be?
I can’t find you in the body sleeping next to me.

Er. Sitzend an der Bar. Lachend mit ein paar Kumpels. Sein Gesicht glänzte im Licht des abgedunkelten Clubs. Er sah unfassbar gut aus und so wie er sich gab konnte man genau sehen, dass er das nur zu gut wusste. Mädels. Am Ende des Raums. Starrend. Kichernd. Er ihnen ein Lächeln zuwerfend. Einen Schluck von seinem Bier. Ein Kumpel bestellte eine Runde Kurze. Ein gewöhnlicher Abend. Ein gewöhnlicher Club. Eine gewöhnliche Bar.
Er nickte seinen Leuten zu und stand dann auf, um an die Bar zu gehen und sich nochmal ein Bier zu holen. Er wusste, dass er den Punkt schon lang überschritten hatte. Und da stand es. Eines der Mädels von vorhin. Unfassbar hübsch. Sie lächelte ihn an und er nickte ihr lächelnd zu.
„Was trinkst du?“, sprach er sie an. „Das was du trinkst“, antwortete sie herausfordernd.
Schmunzelnd blickte er zum Barkeeper und bestellte zwei Drinks.
Er überreichte ihr einen und prostete ihr zu. Ihre lange braunen Haaren fielen ihr ins Gesicht und ihre Augen strahlten ihn an.
Langsam drehte er sich zur Tür des Clubs. Und dann war da plötzlich sie. In seinen Gedanken. Ihr Lachen. Ihr Grinsen. Ihr hübsches Gesicht.
Er schüttelte den Kopf.
Ein gewöhnlicher Abend.
Ein gewöhnlicher Club.
Eine gewöhnliche Bar.
Doch manchmal trügt der Schein. Oder?

Und wenn ihr dann mal landet und du siehst mein Gesicht, bist du dir dann noch sicher, dass sie die Richtige ist?

 

Also wach einfach jeden Tag auf und lebe dein Leben!

Sie starrte auf seinen Namen. Und auf das darunter klein aber deutlich aufleuchtende Wort „online“. Der Courser blinkte im Nachrichtenfeld, welches aufforderte „Nachricht schreiben…“ Wie hypnotisiert schaute sie auf den blinkenden Courser. Dann auf das Wörtchen „online“ und dann wieder auf den Courser.
Was tat er gerade? Wo war er gerade? War jemand bei ihm?
Und dann verschwand das Wörtchen „online“ und es fühlte sich an als wäre er ein weiteres Mal gegangen.

Keiner bereitet einen darauf vor was es bedeutet plötzlich allein zu sein. Nicht allein in dem Sinne komplett allein dazustehen. Nein, ich meine abgesehen von Familie und Freunden. Keinen „ihn“ zu haben. Einen „er“ zu haben, an den man an einem schlechten Tag denkt, den man anrufen und anschreiben kann, weil man weiß, dass dieser „er“ dich so unfassbar gerne hat und immer für dich da ist. Dieses Gefühl, keiner bereitet dich darauf vor, wenn es plötzlich nicht mehr da ist. Wenn du allein bist.
Ich bin wirklich ehrlich. Niemand sollte sich von einem Mann abhängig machen. Von einem „ihm“. Aber es ist trotzdem so ein wunderbares Gefühl so ein „ihn“ zu haben.
Und ich hatte sehr jung und sehr lange einen „ihn“. Und irgendwie war ich nie wirklich so ganz alleine.
Ich bin darauf vorbereitet und ich freu mich darauf und es ist wirklich okay. Aber niemand bereitet ein auf die einsamen Abende vor. Oder die einsamen Morgende. Oder darauf, dass man die Berührungen vermisst. Die Nähe.
Darauf, dass man den ganzen Tag einfach alleine ist. Und das eine Tatsache ist.
Dass man selbst wenn man mit Familie oder Freunden unterwegs ist nicht mal mehr diese schönen rosane Gedanken an „ihn“ haben kann, der irgendwo ist und vielleicht auch gerade an dich denkt. Keiner tut das.
Und ich bin jetzt hier so herzlich ehrlich, weil ich denke, dass es da draußen noch mehr Menschen gibt, denen es so geht.
Aber da hilft der obige Satz. Ein Weitermachen. Ein Weiterleben. Denn da draußen läuft deine zweite Hälfte herum. Und sie wird dich irgendwann finden

Foto by J.H. Artworks

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