Musikgeschichten #14

Gedanken, Geschichten

Entscheidungen zu treffen sind immer schwer, aber entscheide dich.
„Ich dein alles und du mein nichts“ von Marie Bothmer

Du bist nicht das für mich, was ich für dich bin
Ich frag‘ mich: Kannst du seh’n, dass ich im Kopf woanders bin?
Auch wenn ich’s nicht will, bin ich doch nicht hier
Bin irgendwo anders, nur nicht hier bei dir
Ich kann es nicht erklär’n
Warum nur fühl‘ ich nichts für dich?
Manchmal wünschte ich, dass es nicht so wär‘
Ich dein Alles, du mein Nichts 

Sie lag in seinem Arm und sah an die trostlos wirkende Decke an. Er schlief bereits mit abgewandtem Gesicht. Vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, löste sie sich aus seiner Umarmung und drehte ihm den Rücken zu. Gegenüber von ihr betrachtete sie jetzt die weiße Wand, auf die der Mond gespenstische Schatten warf.
Ihre Gedanken wanderten zu ihm. Sie wünschte sich so sehr, dass sie bei ihm sein konnte. Sie wollte mit ihm sein, ihn fühlen und spüren. Ihn einatmen.
Sie hörte wie er sich hinter ihr bewegte und fühlte sich fremd in ihrem eigenen Bett. Was war das hier noch? Eigentlich wollte sie alleine sein. Sich zu jemand anderem träumen. Jemand anderen bei sich haben. Ihn.
Er, der hier neben ihr lag, ein Schatten in ihren Gedanken und ein Hauch von einer Erinnerung in ihrem Leben, der nicht mehr da sein würde in naher Zukunft. Manchmal überlegte sie warum er überhaupt da gewesen war.
Sie schloss die Augen und seufzte.
Bitte halte mich, dachte sie, während sie die Arme um sich schlang und hoffe, dass er sie in ihren Träumen retten kam. 

 

„Jeden Tag wird mir mehr bewusst, dass er der Richtige ist.“
„Na das war ja ab gestern sowieso klar.“
„Eastside“ von Benny Blanco, Halsey & Khalid

My love is yours if you’re willing to take it.
Give me your heart ‚cause I ain’t gonna break it.
So come away, starting today,
start a new life, together in a different place.
We know that love is how all these ideas came to be,
so baby, run away with me.

Sie beobachtete die Welt, die an ihr vorbeiflog. Die Farben des Himmels verschwommen mit dem Grün und Grau der Felder und Häuser. Sie versuchte die Stille, die zwischen ihnen immer lauter wurde und einen tiefen Graben in Ihre Beziehung riss, auszublenden. Die Luft wurde immer dicker in dem kleinen Auto und sie versuchte einmal tief einzuatmen. Tränen traten ihr in die Augen und sie blinzelte, um sie zurück zu halten.
Ihr Blick wanderte zu ihm, um ihn anzuschauen und vielleicht in seinem Gesicht zu lesen, was in ihm vorging. Sie rechnete nicht mit einer Regung, denn normalerweise konnte er seine Emotionen gut verstecken, umso härter traf es sie, als sie nun auch Tränen in seinen Augen sehen konnte.
Er spürte ihren Blick auf sich und wandte seinen Kopf kurz von der Straße ab ihr zu. 
Und da sah sie ihn. Den Schmerz, der dieser Graben auch in sein Gesicht gezeichnet hatte. Und sie sah noch etwas. Innige und tiefe Zuneigung. Gefühle, die sie nie für möglich gehalten hätte, dass sie da waren.
Er legte seine freie Hand auf ihr Bein. Sie beobachtete seine Geste und ihr Blick verweilte auf seinen Finger, die begannen durch ihre Strumpfhose ihr Bein zu streicheln. Die Liebe in seinem Gesicht und jetzt in dieser Geste ließen die Tränen nun endgültig überquellen und ihre Sicht verschwamm.
„Ich weiß nicht, ob ich das kann. Aber eins weiß ich sicher, dass ich nicht will, dass es das Ende ist.“
Und der Graben war plötzlich verschwunden und sie wusste, dass diese Stille plötzlich nichts bedrückendes mehr hatte. Er hatte ihr zum ersten Mal gezeigt wie er wirklich fühlte und das war in dem Moment alles was zählte. 

 

Hast du nicht das Gefühl gehabt, mit JEDER ein Stück deiner Seele zu verlieren?
„Kommst du mit ihr“ von Sarah Conner

Und wenn ihr mal landet und du siehst mein Gesicht, bist du dir dann noch sicher, dass SIE die Richtige ist?  

Seine Hände auf IHREM Schenkel. Sein liebevolles Lächeln während er SIE hinterm Ohr küsste und SIE lustvoll anfing zu Stöhnen. 

Wie war es? Wie hat SIE sich angefühlt? 

Sie wandte den Kopf und blinzelte. 

Er, wie er SIE gegen die Wand des Clubs drückte. IHRE langen blonde Haare fielen IHR in den Nacken. Er streichelte IHRE Schläfe und küsste sie dann. 

Was war SIE für ihn? Wieviel bedeute SIE ihm? 

Ihre Augen fixierten einen Punkt an der Decke und sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen. 

Seine Hände auf IHRER Taille, lachen, seine Lippen auf IHREN Brüsten, er über IHR, in IHR. IHRE langen schwarzen Haare, die wie Pech über IHREN Rücken flossen, als er SIE nahm. 

Wie oft? Warum SIE? Hat es Spaß gemacht? 

Sie presste ihren Rücken an die kühle Wand hinter ihr und zog die Knie an. Vorsichtig legte sie ihren Kopf darauf und schloss die Augen. 

SIE lächelte ihn an, als er IHR durch die braunen Haare strich und sich mit einem kleinen Kuss verabschiedete. Ein letztes Mal zog er SIE an sich und SIE schlang IHRE Arme um seinen Hals. 

War es gut? Welche Nummer war SIE? 

Ein schmerzvoller Seufzer entwich ihr und sie zog die Knie fester an sich. Draußen ging die Sonne unter und warf verschiedene Schatten auf ihre Silhouette. 

Seine Lippen auf IHREN Mündern. Seine Hände auf IHREN Körpern. Er in IHNEN. Sein Lachen spiegelnd in IHREN Augen. Seine liebevolle Art auf IHREN Seelen. 

Wer ist sie für dich? Wer war sie für dich? Wer wird sie für dich sein? 

 

Eindrücke. 

Es war laut und stickig. Um sie herum drängeln sich Mensch, um in die überfüllten Zelte zu gelangen. Rechts von ihr saßen schon ein paar Leute am Boden, sturzbetrunken. Ihr Blick fiel auf die Uhr. Es war kurz vor 12. 

Der Beton der Straße gab die Hitze zurück, die die Sonne schon den ganzen Tag auf den Planeten warf. In den Straßen stapelten sich die gelben Säcke. Der Gestank lag in der Luft. Sie hob sich die Hand vor den Mund und die Nase und ging schnell zur U-Bahn. 

Der Morgen lag kühl und ruhig über dem Land. Am Horizont konnte sie einen feinen roten Streifen sehen, der die aufgehende Sonne ankündigte. Sie ging die Straße entlang. Papierfetzen einer alten Zeitung flogen über die Straße. Plastikverpackungen, alte Dosen und leere Flaschen zierte in den jungen Morgenstunden den Spielplatz an dem sie vorbei kam. 

Sie stand im Laden vor dem Regal. Draußen hatten schon Schilder für die neuen teuren Kosmetikprodukte geworben. Tausende Etiketten versuchten sie von ihrem Inhalt zu überzeugen. Sie schloss die Augen. Atmete tief ein. Und verließ den Laden. Dort würde sie nicht finden was sie suchte. 

Ihr Blick streifte nur die ausgestellten Zeitungen in der Auslage. Verschmutzte Ozeane, tauende Arktis, Erderwärmung, Unwetter, Waldbrände, Tode. Klimawandel. Sie sah vor sich auf die Straße und konnte den schönen warmen Herbstwind durch ihr Haar streichen fühlen während die letzten Sonnenstrahlen zwischen Bäumen wunderbares Licht auf die Hauswände warf. 

Als sie sich umdrehte, um über die Dächer der Stadt zu sehen, sah sie nur tausende Fabriken, und das was diese in die Luft ausstießen. Das was alles änderte und jeder die Augen davor verschloss. Sie konnte es sehen. Und sie wusste nicht so genau was sie davon halten sollte. 

Foto by J.H. Artworks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.