Eine andere Perspektive

Geschichten

(eyelids – pvris)

I’ll face my fear of the evening once I get used to this feeling
I can’t sleep
That’s when you’re torn away from me
While I’m dreaming I feel you leaving
I’ll face my fear of the sunrise when I wake up with your hand inside mine
It’s hard to say “good morning” when it’s followed with “goodbye”
Just wanted to say “good night”  

Er saß auf einem Stuhl in der Nähe aber doch mit gebührendem Abstand. Ein stiller Beobachter der das Geschehen vor ihm auf sich wirken ließ. Sie lachte und erzählte ihrer besten Freundin von verschiedenen Sachen, die er alle bereits kannte. Ihr Lachen war atemberaubend. Ihr Gesicht leuchtete, ihre Wangen wurden leicht rot und ihr Körper richtete sich auf. Ihre strahlenden Augen fesselten ihn wie am ersten Tag. Er konnte kaum den Blick von ihr wenden. Sie war so wunderschön, wenn sie glücklich war. Doch sein Blick streifte jetzt weiter hinüber zu den anderen Leuten, die noch auf der Party anwesend waren. Die meisten kannte er nicht, doch das war ihm egal. Er war es gewohnt fremd auf einer Party oder Freundeskreisen zu sein. Ihn störte das überhaupt nicht. Sein Blick blieb an ihm hängen, der schon den ganzen Abend Laserblicke in ihre Richtung warf. Er musterte ihn eingehend. Breite Schultern, nicht sehr groß und dennoch kräftig und männlich. Ihm fiel nichts gravierendes an ihm auf, wenn man ihn jetzt als Fremden musterte. Doch er wusste zu viel, um ihn neutral beurteilen zu können. Und diese Blicke schon den ganzen Abend in ihre Richtung sagten einfach alles.
Damals, als er ihn das erste Mal mit ihr zusammen gesehen hatte war schon kurz davor gewesen etwas zu ihm zu sagen. Eins wusste er, er hatte nie gelernt, wie man ein Mädchen behandelt.
„Na du einsamer Fremder, erzähl mal ein bisschen etwas über dich.“
Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als ihn ein Mädchen an der Schulter berührte und ihn lieb anlächelte. Er drehte sich um und hatte plötzlich die ganze Party im Rücken und eine nette kleine Maus vor sich.
Er lächelte sie an und nippte dann an seinem Bier.
„Was würdest du denn gern wissen?“
„Zuerst einmal was du hier tust und woher du sie kennst.“, lachte das nette Mädchen vor ihm und irgendwie gefiel ihm das Gespräch, weswegen er sich darauf einließ.

Shooting zu HauseShooting zu Hause

 These eyes are closed again for yet another night
I wake up and I can feel you by my side
But I can’t find you in the dark when you’re so far
Yeah that’s the hardest part
Here comes the hardest part 

 Nachdem er sich eine halbe Stunde mit ihr unterhalten hatte und sie sich auf die Toilette entschuldigte drehte er sich wieder zum Partygeschehen um. Sie war verschwunden. Überall saßen Leute und redeten und auch ihre beste Freundin, die neben drei Kumpels von ihr saß war noch da. Doch sie war verschwunden. Und er auch. Das fiel ihm als Zweites auf. Sofort wusste er was los war. Irgendwas in ihm zog sich zusammen. Er wusste, dass das keine gute Idee von ihr gewesen war. Aber er kannte sich auch so gut, dass er sie niemals hätte davon abhalten können. Es verletzte ihn ein wenig, dass sie ihm nicht Bescheid gegeben hatte. Wenigstens das hätte sie tun können. Doch er konnte sich auch hier vorstellen, warum sie das eben nicht getan hatte.
Sein Blick wanderte zum Bildschirm des Fernsehens, dann auf sein Handy.
Sie war lange weg. Nach einer weiteren halben Stunde schrieb er ihr. Doch dann sah er, als er sich umdrehte, dass ihr Handy im Schlafzimmer lag. Das Spiel im Fernseher näherte sich dem Höhepunkt.
Und da kam sie zur Terrassentüre herein. Er sah ihr Gesicht und wusste sofort was passiert war. Sie lächelte gezwungen zwei ihrer Freundinnen an, die ihr auf dem Weg zur Toilette entgegen kamen und verschwand dann im Badezimmer. Und dort war sie. Für eine ganze Weile. Er drehte sich um und suchte ihre beste Freundin, die draußen im Gras saß mit einem anderen Kumpel von ihr und auch argwöhnisch die Terrassentüre beobachtete während er sich breit auf einen der Korbstühle niedergelassen hat und ihm jetzt direkt in die Augen sah.
Er wusste, dass er ihm niveaumäßig unterlegen war, weswegen es auch nichts brachte jetzt irgendetwas zu sagen, geschweigedenn irgendetwas zu tun. Aber er machte sich Sorgen um sie. Ihr bester Kumpel kam jetzt herein und lehnte sich vor die Badezimmertüre. Er lächelte ihn an und nickte ihm zu. Er nickte zurück und hob sein Bier.
Und da endlich öffnete sie die Tür. Ihr Gesicht hatte sich beruhigt und das erste was sie in die Augen fasste war er. Er lächelte sie an und streckte den Arm nach ihr aus. Ihr Lächeln wurde breiter und irgendwie spiegelte sich Erleichterung in ihren Augen wieder.
Sie kam zu ihm und setzte sich auf seinen Schoß.
„Alles okay bei dir?“, fragte er sie auch wenn er wusste, dass er keine ehrliche Antwort hier vor den ganzen Leuten bekommen würde. Sie nickte und fragte dann besorgt, „Bei dir auch alles okay?“
Er wusste worauf sie anspielte, doch auch das musste man nicht jetzt besprechen. Er lächelte sie beruhigend an und nickte.
„Ja alles gut.“  

Schooting zu Hause

Sie lief aufgeregt durch die Wohnung und räumte Sachen von der eine Ecke in die andere. Er verlor sie schon wieder. Das passierte öfter. Manchmal stärker, manchmal nicht so stark. Er blieb ruhig. Denn es brachte nichts irgendetwas zu sagen. Irgendwann stand sie mitten im Zimmer und ließ die Arme und die Schultern hängen. Da ging er auf sie zu und fragte vorsichtig, „Warum bist du denn wieder so genervt?“
Sie sah in an und seufzte einmal tief durch.
„Wenn ich das wüsste.“
Verzweifelt verzog sie das Gesicht.
Da nahm er ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie.
„Komm lass uns ins Bett gehen, es ist Zeit und du kannst das alles morgen auch noch aufräumen.“
Sie legte ihren Kopf an seine Brust und nickte.
„Du hast Recht.“ 

Our eyes fighting the light
But I’m not ready to say “good night”
I try and hold on tight but it’s just not time to say “good night”
Say good night  

Sie hatte ihren Kopf und ihre Hand auf seiner Brust während er einen Arm um sie geschlungen hatte.
„Möchtest du, dass ich dir was erzähle?“, fragte sie vorsichtig und er wusste sofort worauf sie hinaus wollte.
„Möchtest du mir denn etwas erzählen?“, antwortete er mit einer Gegenfrage.
Sie war lange still. Dann zuckte sie mit den Schultern.
„Naja das mit vorhin…“, fing er an, doch dann unterbrach sie ihn. Sie richtete sich auf und sah ihn an. Durch die Jalousie fiel ein wenig Licht, welches sich in ihren Augen spiegelte. Sie war wunderschön.
„Es tut mir Leid. Es war ein Fehler nicht mit dir darüber zu reden. Es war ein Fehler mit ihm wegzugehen. Es tut mir wirklich Leid.“
Er zog sie zurück in seine Arme und gab ihr einen Kuss aufs Haar.
„Schon okay.“
Sie war ein unfassbar tolles Mädchen. Und er hat sie in so kurzer Zeit so lieb gewonnen. Doch sie trug fiel mit sich herum. Sie war unfassbar tapfer und mutig. Und sie konnte stolz darauf sein was sie alles geschafft hatte. Er wollte, dass es ihr gut ging. Er wollte sie beschützen, ihr helfen die Dämonen die kamen zu bekämpfen, ihre Sorgen zu seinen machen und ihr helfen wieder ein bisschen sie selbst zu werden.
Er zog sie fest in seine Arme und küsste sie dann liebevoll. Ihre Hände streichelten sie und hielten sie bis sie eingeschlafen war.
Er hatte solche Gefühle niemals zuvor gehabt. Für ihn waren Mädchen einfach da gewesen. Um zu reden, zu flirten, Sex zu haben, Spaß zu haben, zu küssen. Und er hatte seinen Spaß gehabt. Doch mit ihr war alles anders. Und das wunderte ihn selbst. Er wusste manchmal selbst nicht genau wie er damit umgehen musste. 

Sie hatte ihn gefesselt ab dem Moment als er sie das erste Mal auf dem Festivalgelände gesehen hatte. Ihr Lachen und ihre strahlenden Augen.
Er konnte sich an den einen Abend am See erinnern, als sie vor ihm lachend in diesem Kleid hin und her gesprungen war.
Ihr atemberaubend nackter Körper unter ihm.
Ihre Art Sachen zu erzählen und zu diskutieren.
Ihre Ansichten, die sich mit seinen fast zu 100 % deckten.
Ihr Humor, wie sie ihn aufzog und sie sich aufziehen ließ.
Und diese unfassbar sensible Art, die sie hatte und die sie gerade in die Knie zwang. Er wünschte sich nichts mehr als mit ihr zusammen zu sein und gegen all ihre Sorgen kämpfen zu können, doch er hatte eingesehen, dass sie viele dieser Sorgen und Kriege, die sie im inneren führte selbst beenden musste. Er konnte ihr dabei nicht helfen.  

Our eyes fighting the light
But I’m not ready to say “good night”
I try and hold on tight but it’s just not time to say “good night”
Say good night 

Fotos by J.H. Artworks

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