Musikgeschichten #9

Gedanken, Geschichten

Manchmal, wenn uns der Alltag droht zu ersticken, müssen wir uns eine Auszeit nehmen, zur Ruhe kommen, über die Prioritäten in unserem Leben nachdenken, sie neu ordnen und mit neuer Kraft starten.
„Genug ist genug“ von Sascha

Das mit dir und mir lief nicht so gut,
endlich schlag ich das Kapitel zu.
Platz für neue Dinge in meinem Lebenslauf
und für einen großen Mittelfinger mit deinem Namen drauf.
Genug ist genug, endlich geht es mir gut.
Viel zu lang hab ich zugesehen.
Alles hat seine Zeit, unsere ist jetzt vorbei, weil ich sonst vor die Hunde geh. 

Sie saß mitten im Wohnzimmer und sah sich die gegenüberliegende Wand an. Diese war komplett zugeklebt mit allen möglichen Karten, Fotos, Stickern und Bildern. Erinnerungen, die in einer bestimmten Zeit entstanden waren. Eine Collage aus Andenken. Eine Collage von ihr, von ihrem Hund von ihren Freunden, von ihm. Erinnerungen an Geschichten. Gute und schlechte. Jetzt taten sie alle nur noch weh. Die Zeit schien ihr so weit entfernt und so nah, dass sie sie mit den Fingern greifen konnte. Eins war jedoch klar. Sie war vorbei und das war gut so.
Und da stand sie mit einem Ruck auf und fing die Bilder und Fotos von der Wand zu reißen. Die Collage ihrer Erinnerungen, ihrer einzelnen kleinen Geschichten, Momente voller Gefühle, kleiner Zuneigung, Tränen. Alles riss sie von der Wand, von ihrem Herzen, aus ihren Gedanken. Im Hintergrund lief ihr Song und sie schloss die Augen, als sie tief durchatmete und das letzte Foto, auf dem sie in die Kamera starrte, von der Wand riss und somit ihr Werk vollendete. Das ganze Zimmer lag begraben unter Fetzen einer vergangenen Zeit, die sie dachte überstanden zu haben. Doch leider hatte sie nicht daran gedacht, dass die bloße Entfernung von Bildern die Erinnerungen noch lang nicht verblassen ließen. Das würde noch eine sehr lange Zeit dauern. 

 

Also nimm meine Hand und sag ja…
„Just say yes“ von Snow Patrol

So just tell me today and take my hand,
please take my hand,
just say yes,
just say there’s nothing holding you back,
it’s not a test,
not a trick of the mind, only love,
just say yes, cause I’m aching,
I know you are too,
for the touch of your warm skin,
as I breathe you in…

„Was willst du denn?“, fragte sie ihn lächelnd, während seine Lippen ihren Hals küssten.
„Dich“, flüsterte er an ihrem Nacken. Sie konnte sein Lächeln spüren.
Vorsichtig löste sie sich aus seiner Umarmung, um ihm in die Augen sehen zu können.
„Was genau von mir?“
Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und streichelte ihre Wange. Sein Gesicht wurde ernst und er sah ihr tief in die Augen.
„Alles.“
Da füllten sich ihre Augen mit Tränen, denn in ihr kämpfte es. Konnte sie ihm glauben? Konnte sie ihm vertrauen? Langsam senkte sie ihren Kopf und sah auf ihre Hände. 
Leise flüsterte sie, „Ich habe das Gefühl, dass du dein Leben ausführlich genossen hast. Und, dass du genau das so wolltest. Warum willst du jetzt eine Beziehung? Warum jetzt?“
Vorsichtig und zärtlich hob er ihren Kopf, damit sie ihm in die Augen sehen musste. Sein Blick war warm und liebevoll. „Vielleicht weil ich jetzt das Gefühl habe nichts mehr zu verpassen. Und das Mädchen gefunden habe mit dem ich mir mehr vorstellen kann. Sehr viel mehr.“ 

 

Weil du denkst, du bist cooler als ich…
„Cooler than me“ von Mike Posner

You got designer shades
just to hide your face and
you wear them around like
you’re cooler than me.
And you never say hey
or remember my name.
Its probably ‚cause
you think you’re cooler than me. 

Er saß da wie ein aufgeblasener Gockel. Dabei war er ihres Erachtens nur ein zu klein geratenes Huhn. Sein Blick scannte in seiner Umgebung alles und jeden in kürzester Zeit und ordnete es in Schubladen ein. Sein Meinung zählte und sollte jemand eine andere haben, tja, dann hatte dieser andere verloren.
Sie saß ihm gegenüber, kam sich irgendwie verloren und alleine vor. Sie schämte sich, denn fast fand sie die Situation, nein nicht nur die Situation, sondern ihn, lächerlich.
Was bildete er sich denn ein? Wer sollte so etwas cool finden?
Er sprach irgendetwas, aber sie hatte aufgehört ihm zuzuhören. Egal was er sagte oder tat, es ging immer nur um ihn. Seine Meinung, seine Einstellung, sein Leben.
Ihre Meinung zählte nicht. Sie wusste nicht, ob es schon krankhaft war, was er da aufführte. Aber generell hatte er ein Muster. Sobald jemand anderer Meinung war, vielleicht sogar der besseren, oder wirklich Ahnung von dem hatte was er tat, und er bemerkte das, wurde derjenige in Grund und Boden geredet und unterschwellig so runtergemacht, dass er am Schluss wieder ganz oben stand.
Denn er war der Beste.
Er konnte Alles.
Und nur seine Meinung zählte. 

Und da stand sie auf und ging. Während er sprach, stand sie auf und ging.
Denn nur weil er dachte, dass er cooler war, hieß das noch lange nicht, dass dies stimmte… 

 

Unterschätze mich nicht, unterschätze dich nicht, unterschätze niemanden…
„Let her go“ von Passenger

you see her when you close your eyes
maybe one day you’ll understand why
everything you touch surely dies
but you only need the light when it’s burning low
only miss the sun when it starts to snow
only know you love her when you let her go…

Der Schnee, der ruhig da lag.
Ihre Schritte, die im Matsch Spuren hinterließen.
Er, der sprach und doch nichts an ihrer Entscheidung ändern konnte.
Sie würde niemals der Titel eines anderen werden.
Denn Sie hatte ihr eigenes Leben.
Sie brauchte niemand hinter dem sie sich verstecken musste.
Sie war ihr eigener Titel.
Sie hatte eigene Erfolge, einen eigenen Namen, ein eigenes Leben.
Sie war nicht eine von den Mädchen, die sich nur einen Mann suchten, um unterhalten zu sein für den Rest ihres Lebens.
Er sprach immer noch, doch sie hörte nicht mehr zu.
Sie sah auf den zugefrorenen Schnee, sah ihren Atem in der kalten, klaren Luft und musste lächeln.
Denn er unterschätzte ihre Intelligenz.
Und das war ein großer Fehler. 

 

Ich habe nur eine Sache zu tun und das ist die Welle zu werden, die ich bin und dann zurückzusinken in den Ozean.
Inspiriert von der Serie „The Affair“ und dem Theme Song „Container“ von Fiona Apple

I was screaming into the canyon
at the moment of my death.
The echo I created
outlasted my last breath. 

Sie saß am Strand. Ihre langen Haare wurden ihr von dem starken Wind ums Gesicht geweht und man sah ihre leeren Augen. Sie hatte die Arme um ihre Knie geschlungen und sah nach draußen auf den aufgewühlten Ozean. Die Trauer war ihr anzusehen, doch gerade weil sie nicht weinte, sah ihr Gesicht noch viel trostloser aus. Kalt. Abweisend. Emotionslos. Und doch konnte man erkennen, dass sie etwas Geheimnisvolles umgab. Sie hatte eine Geschichte zur erzählen, die definitiv nicht nur schönes enthielt, aber genau das machte sie auf eine wundervolle Art anziehend. 

My voice it made an avalanche
and buried a man I never knew.
And when he died his widowed bride,
met your daddy and they made you. 

Starke, große Wellen schlugen an den Strand und der Himmel fing an zu brodeln. Der Wind wurde immer stärker und man konnte erkennen wie der Sturm aufzog.
Entfernt sah man eine Frau in einem langen weißen Kleid in die Wellen laufen. Es war mystische und da die Luft vom Zittern des Sturms erfüllt war konnte keiner sagen, ob sie ein Geist oder tatsächlich menschlich gewesen war. Das würde wohl auch niemand mehr herausfinden.
Denn die stürmische See verschlang sie und es war als hätte es sie nie gegeben.
Doch eins war sicher. Sie hatte ihren Frieden gefunden und das war alles was zählte. 

I have only one thing to do and that’s
be the wave that I am and then
sink back into the ocean. 

Foto by J.H. Artworks

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