Musikgeschichten #10

Gedanken, Geschichten

Denkt immer daran, die Nacht gehört zum Tag… Unterschätze sie nicht…
„Fireflies“ von Owl City

You would not believe your eyes,
if ten million fireflies
lit up the world as I fell asleep.
I’d like to make myself believe,
that planet earth turns slowly.
It’s hard to say that I’d rather stay awake when I’m asleep,

‚cause everything is never as it seems. 

Die Stille lag über ihnen wie eine Decke aus Unschuldigkeit. Die Nacht so schön und kraftvoll, während der helle Vollmond durch die geöffneten Jalousien das Zimmer erhellte. Friedlich schlummerte der Hund in seinem Körbchen am Ende des Bettes. Sein Köpfchen war auf der Decke gebettet und er hat die Augen fest geschlossen. Hin und wieder drangt ein wohliges Grummeln aus seiner Kehle.
Im Bett lag eine wunderschöne Frau. Sie war nackt, zumindest konnte man das erahnen, denn die Decke verhüllte nur ihren wohlgeformten Po. Neben ihr lag ein Mann, so stark und kraftvoll sein Körper geformt war, so friedlich und kindlich wirkte er jetzt im Schlaf. Ihre Hand lag auf seiner nackten Brust und seine Lippen berührten ihr Haar. Die kleinen unscheinbaren Gesten dieser zwei Personen während des Schlafens, so süß sie doch auch waren, so bedeutsam wirkten sie nach außen hin.
Und fast, mitten in der Nacht, der schlafenden Hund, die ruhige Frau und der stille Mann, wirkte es so, als wäre die Welt perfekt.
Fast. 

 

Wenn die Realität zuschlägt… 

Ein Nicken zum Abschied.
„Viel Spaß, komm nicht zu spät nach Hause.“
Ein Zwinkern vom Vater, eine warnend hochgezogene Augenbraue der Mutter.
„Bin dann mal weg.“
Die Kumpels im Auto wartend.
Ein begrüßender Händefaustschlag.
Scrollen durch die Instagram-Timeline.
Chillen auf einer Bank.
Lachen über einen anzüglichen Witz.
Rückfahrt.
Bereits dunkle Straße.
Den Sternenhimmel beobachten.
„Hey Jungs, sie hat geantwortet.“
Lachen.
Kurzer Blick auf den Tacho.
Plötzlicher Aufschrei.
Knallen. Schabendes Metall. Knirschen. Quietschen. Dazwischen Schmerzen.
Stille.  

Keiner hatte damit gerechnet, dass dieser Abend so endet. Wie viele Jugendliche heutzutage verbringen denn genau so einen miteinander? Auf der ganzen Welt. Keiner macht sich einen Kopf. Keiner denkt darüber nach was passieren könnte. Keiner rechnet damit.
Ich habe gestern erfahren, dass vor zwei Tagen direkt in der Nähe meines Heimatorts zwei 17-jährige und ein 20-jähriger Junge tödlich bei einem Autounfall verunglückt sind. Der 20-jährige Junge war ein Klassenkamerad meines Bruders.
Aufgrund der Nähe zu diesem Unfall wollte ich etwas darüber schreiben.
Ich wollte schreiben, dass wir besser aufpassen sollten, dass wir uns glücklich schätzen sollten jeden einzelnen Tag erleben zu dürfen, glücklich, dass in dieser großen grausamen Welt nicht noch mehr passiert. Unseren Gegenüber anschauen sollten, unsere Familie und Freunde anschauen sollten, sagen sollten, dass wir froh sind sie zu haben, unser Leben mehr Wert schätzen sollten.
Ich wollte mein Beileid ausdrücken, für alle Familien, die diesen unfassbar schweren Verlust tragen müssen. Die damit klarkommen müssen.
Ich weiß, dass so etwas auf der ganzen Welt jeden Tag passiert. Natürlich. Aber wir sollten uns öfter bewusst machen, dass es so ist und was es bedeutet, dass es uns gut geht.
In Gedenken an die Familien und Freunde der drei Verunglückten. 

 

Mag dich ein bisschen mehr als ich es sollte. Geb mich für uns gern her, auch wenn ich weiß was das bedeutet.
„Heaven“ von Julia Michaels 

No need to imagine,
‚cause I know it’s true.
They say all good boys go to heaven,
but bad boys bring heaven to you… 

Ihre Gedanken wanderten zu ihm. Wie so oft in letzter Zeit. Er war einfach immer da. Hielt sie, fing sie auf, wenn sie wieder drohte zu fallen. Sie kam bei ihm zur Ruhe, war so glücklich jemanden gefunden zu haben, der mit seinen Ansichten und Überzeugungen genau ihre Gedanken teilte. Es war einfach faszinierend wie unglaublich ähnlich sie sich waren und in so kurzer Zeit so eine Verbindung zueinander verspürten.
Sie drehte sich lächelnd im Bett um und biss sich auf die Lippe als sie sich an ihren Traum von letzter Nacht erinnerte. Als er ihren ganzen Körper mit Küssen bedeckt hatte und ihr somit fast den Atem geraubt. Als er tiefer gewandert war mit seinen Händen und…
Sie schüttelte grinsend den Kopf und vergrub ihr Gesicht in ihrem Kissen.
Wie sehr wünschte sie sich, dass er hier war.
Denn seine tolle romantische Seele lud geradezu zum träumen ein und ließ sie täglich vorstellen, was alles passieren könnte, wenn sie sich endlich berühren konnten.
Wenn nur diese Sehnsucht nicht wäre, die so sehr in ihr tobte und sie fast innerlich verschlang. 
Was war denn nur los mit ihr?
Das Grinsen wollte einfach nicht aus ihrem Gesicht verschwinden und die Gedanken an ihn sowieso nicht. Und das gefühlt seit einer Ewigkeit. 

 

Lass dich fallen und komme…
„Shape of you“ von Ed Sheeran 

Boy, let’s not talk too much
grab on my waist and put that body on me
come on now, follow my lead
I’m in love with the shape of you
we push and pull like a magnet do
although my heart is falling too
I’m in love with your body
and last night you were in my room
and now my bedsheets smell like you

Sie biss sich auf die Lippe und zog scharf die Luft ein. Seine Lippen auf ihrer Haut hinterließen eine heiße feurige Linie. Sie drückte ihren Rücken durch, um ihn noch intensiver spüren zu können.
Berühr mich, flehte sie in Gedanken.
Seine Hände wanderten langsam und sanft über ihren Körper. Ihre Hand ruhte in seinem Nacken. Langsam zog sie ihn nach oben, wollte ihn küssen. Sie konnte das Feuer in seinen Augen lodern sehen und das Verlangen in ihrem Stöhnen war kaum zu überhören. 

 

Gib mir deine Hand und wir tauchen auf, dem Licht entgegen.
„One last night“ von Vaults

broken upon the rocks,
let the beating waves,
come drag me down.
Oh but to find out the reasons why,
it’s enough to make you wanna try
for one last night… 

Ich sank. Immer tiefer. Das schwarze Wasser der unheilvollen Gedanken schlug wie eine schwere Decke über mir zusammen. Ich streckte hilfesuchend meine Arme aus. Meine Hände wollten nach etwas greifen, doch da war nichts außer schwarze Leere, die sich anfühlte wie das Wasser auf dem Meeresboden. Ich spürte wie der Druck auf meinen Lungen stieg und der Drang an die Oberfläche zu gelangen war riesig. 
Und dann sah ich dich. Zwischen all dem Wasser konnte ich dich erkennen. Du strahltest zwischen all dem schwarz mit deinem schönen Schweigen. Denn du warst mehr als nur der, der mich retten sollte. Ich sah wie du auf mich zugeschwommen kamst, deine rettende ausgestreckte Hand in meine Richtung haltend. Ich versuchte sie zu greifen. Ich wollte gemeinsam mit dir auftauchen. Wusste, dass wir das zusammen durchstehen würden. Und da spürte ich dich. Meine Hand ergreifend. Und wir beide schwammen den Sonnenstrahlen, die plötzlich auf der Wasseroberfläche erschienen, entgegen. Dem Licht, welches uns begrüßte aus diesem dunklen schweren Wasser. Aus diesen trüben dunklen Gedanken, tauchten wir auf hinauf zu unseren leuchtenden vereinten Seelen. 

Ich schrag auf und schlug schwer atmend die Augen auf. Was war passiert? Ich drehte mich vorsichtig um. Ich lag in meinem Bett. Allein. War das ein Albtraum gewesen? Irgendjemand hatte mich aus diesem gerettet. Ich sah an die Decke und wusste plötzlich, dass du das warst. Deine Seele hatte gespürt, dass ich in Not war. Sie hat dich im Traum zu mir geschickt und somit konntest du mich retten. 

 

Weil du jemand in meinem Leben warst, den ich niemals hassen könnte.
Doch ich denke die größte Strafe wird sein, dass du mir einfach nichts mehr bedeutest.
„Way down we go“ von Kaleo

Oh father, tell me, we get what we deserve?

Ein Tisch, viele Personen. Lachen, Gespräche, überall verschiedene Lautstärken. Ich saß ruhig da, wie eine stille Beobachterin. Sah wie er seinem Mädchen die Haare aus dem Gesicht Strich, sie küsste und ihr etwas ins Ohr flüsterte woraufhin sie grinste. Daneben saß sein bester Freund und sprach gerade mit einem anderen Freund. Sie lachten und machten Witze. Schräg gegenüber saß sein Vater eingehend diskutierend mit einem weiteren Freund von ihm. Neben mir eine gemeinsame Freundin sprechend mit seinem Bruder. Und irgendwo zwischen dem ganzen Tumult ich. Mittendrin und doch so fern vom ganzen Geschehen. 

Ich war auf den Weg auf die Toilette, mich zum hundertsten mal fragend was ich hier eigentlich machte, als ich links aus dem Schlafzimmer Geräusche hörte. Ein Lachen, ein Flüstern, dann ein leises Seufzen. 
Aus Reflex drehte ich meinen Kopf in die Richtung der Geräusche und sah durch die offene Schlafzimmertüre, wie er sie gerade küssend langsam aufs Bett legte. Sie lächelte und schloss die Augen als er anfing ihren Hals zu liebkosen und sie langsam auszuziehen. Vor meinen Augen blitzten Bilder aus einer Zeit auf, als ich noch dieses Mädchen gewesen war. Als er mich noch so behandelt hatte. Ich schloss die Augen, um die Tränen zurückzuhalten. Als ich sie wieder aufschlug drehte er sich gerade um und sah mich. Sah mir direkt in die Augen. Seine braunen tiefen Augen. Dieser Blick fesselte mich. Ich erwiderte ihn. Sie unter ihm liegend, nichts merkend während er und ich uns anstarrten. Dann wandte ich mich ab und ging. Aus dem Flur, aus der Wohnung und seinem Leben. Um meines wieder zu finden. Irgendwo zwischen all dem Tumult und den vielen Partys und ihr und ihm hatte ich mich nämlich verloren. 
Und ich wollte mich wiederfinden. Wiederfinden und anfangen zu leben. 

Foto by J.H. Artworks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.