Dein Kampf – kämpfe ihn… Sie. Teil 2

Gefühle, Geschichten

Sie drehte sich um und ihre Haare wurden ihr von dem starken Küstenwind ins Gesicht geweht. Sie war den ganzen Strand entlang gerannt ohne Erfolg. Zu rennen und nicht zu wissen wohin überhaupt, löste nicht ihre Probleme. Und noch weniger löste Wegrennen ihr innerliches Gefühlschaos.
Sie sah sich um, versuchte sich zu orientieren, drehte sich verzweifelt im Kreis.
Der Strand war leer. Sie war alleine. Nieselregen hatte eingesetzt und die Wellen wurden höher. Am Horizont konnte sie nur dicke graue Wolken erkennen.
Tränen stiegen ihr in die Augen.
Seit er bei ihr gewesen war, seit er da gewesen war, um ihr zu sagen, dass er gehen würde, dass er das für sie tun würde, um ihr nicht weh zu tun, seitdem war alles anders. Nichts ergab mehr Sinn. Die ganze Welt erschien unter einem Dunst aus Grau begraben zu sein.
Sie hätte es verstanden, wenn er ihr einen halbwegs normalen Grund genannt hätte, aber das hatte er nicht. Er hatte sie als Ausrede benutzt. Dafür, dass er Angst bekommen hatte. Angst vor seinen eigenen Gefühlen.
Sie hatte den Kampf in seinen Augen sehen können. Und trotz allem hatte er ihr unfassbar Leid getan. Sie hätte ihm diese Last so gerne abgenommen, aber das konnte sie nicht.
Dennoch konnte sie nicht wirklich bergeifen, was er ihnen da angetan hatte. Nicht nur sie litt daran, auch er.
So viel Mühe hatte es sie gekostet ihre Vergangenheit, die schon geprägt war von Schmerz und Leid, hinter sich zu lassen. Sich fallen zu lassen in seine schützenden Hände, in sein weiches, warmes und liebevolles Sein. Ihm zu vertrauen, dass gerade er es ernst mit ihr meinte, dass gerade er nicht so war.
Und dann war er gegangen.
So überraschend wie er aufgetaucht war, war er wieder verschwunden.
Und mit ihm jeder Teil von ihr. Aber vor allem ihr Herz.
Mit ihm jedes letzte Stückchen Hoffnung und Glaube an die große Liebe, welches noch in ihr gekeimt hatte. Der Glaube an ein Leben mit einem Partner, welches für immer war. An diese richtige Person, die immer da war, mit der man durch Dick und Dünn ging und selbst in der härtesten Zeit einen niemals im Stich ließ. So schwer war es ihr gefallen daran zu glauben, dass er diese Person für sie war. Gerade weil sie schon so oft enttäuscht worden war.
Er war da gewesen, hatte sie umhüllt mit seiner Liebe und gewartet. Auf sie gewartet. Und als sie bereit war, sich hatte gänzlich auf ihn eingelassen, war er gegangen. Eine leise nichtssagende Erklärung, ein letzter Kuss, eine Umarmung und dann das Türschloss.
Die Tränen rannen erbarmungslos über ihr Gesicht und sie sank in die Knie während der Himmel sich entschied seine Schleusen zu öffnen.
Ihre Hände gruben sich in den Sand in der Hoffnung nach Halt und das Rauschen der Wellen war plötzlich unheimlich laut in ihren Ohren.
Das Geplätscher des Regens und der Lärm der Wellen vermischte sich zu einem lauten anhaltenden Dröhnen, welches in Ihren Ohren klang wie ein Lied.
Ein Lied, welches versuchte ihr etwas zu sagen.
Sie hob den Kopf und sah in den Himmel. Dann drehte sie sich nochmals um, blickte über den Strand, zwischen den Dünen hindurch auf das offene aufgewühlte Meer.
Ihre nassen Haare klebten ihr vom Regen und den Tränen am Gesicht.
„Nein.“, flüsterte sie plötzlich entschlossen.

„Du kannst nicht für mich entscheiden. Wir können so viel mehr sein. Du musst es nur zulassen. Du bist so stark, du kannst diesen Kampf gewinnen. Du musst ihn aber auch kämpfen wollen. Also bitte kämpfe ihn. Für mich. Für dich. Für uns. Aber tu es vor allem für deine Gefühle. Denn sie sind echt und wahr. Also sei fair und gib ihnen eine Chance. Gib mir eine Chance.“

Sie ließ den nassen Sand durch ihre Finger rinnen.
Sie würde nicht aufgeben. Vielleicht hatte er schon aufgegeben, aber nicht so. Nicht auf diese Weise. Nicht ohne ihnen eine Chance gegeben zu haben.
Entschlossen stand sie auf. Und als hätte der Himmel sie gehört, riss die Wolkendecke auf und ein Sonnenstrahl fiel auf ihr Gesicht, welches langsam wieder anfing zu leuchten.

 

Fotos by J.H. Artworks

1 Gedanke zu “Dein Kampf – kämpfe ihn… Sie. Teil 2

  1. Das klingt wie eine sehr traurig endende Liebegeschichte in der beide blind vor Liebe waren und nicht mehr wussten was sie taten. Beide werden ihren Frieden nun sicherlich gefunden und das andauernde Gefühlschaos in den Griff bekommen haben. Ihr Gesicht wird sicherlich noch viel heller leuchten wenn die Wolken endgültig verschwunden sind!

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