Zeig mir wie du tanzt

Geschichten

Die Toilette war gnadenlos überfüllt. Ich musste nicht so dringend deswegen machte es mir nichts aus zu warten. Während ich mich an die Wand lehnte und versuchte das Geschnatter der vielen Mädels um mich herum auszublenden fiel mein Blick in den Spiegel, der gegenüber von mir und über den Waschbecken platziert war. Ich war zu übertrieben geschminkt, meine Klamotten sahen aus als würde ich nachher noch „arbeiten“ gehen und meine Haare fielen mir wie flüssiges Gold über die Schultern.
Was war nur los mit mir? Ich stand einer völlig fremden Person gegenüber. Warum war ich nicht einfach ich selbst? Natürlich, normal, lieb und süß. So wie ich mich eben fühlte. Warum musste ich jedes Mal, wenn es hieß, dass wir weggehen, mich so komplett verändern.
Schutzmechanismus.
Das Wort tauchte auf ohne Vorwarnung. Aber es hatte Recht. Schutz. Ich schützte mich damit selbst. Wenn ich jemand anderes war konnte man mir selbst nicht weh tun. Tränen traten mir in die Augen und schnell wandte ich den Blick von meinem Spiegelbild ab. Die Erkenntnis zu fühlen, dass man schon so oft verletzt wurde, dass man schon Schutzmechanismen einrichtete, war unglaublich schmerzvoll. Die Toilette vor mir wurde frei und schnell verschwand ich in die Kabine. Reiß die zusammen, ermahnte ich mich selbst. Du hattest bis jetzt einen geilen Abend und du wirst weiterhin einen geilen Abend haben. Und schon pflasterte ich wieder ein falsches Lächeln auf meinem Gesicht.

Zurück an der Bar drückte mir meine beste Freundin den nächsten Drink in die Hand und zwinkerte mir zu.
„Und weiter geht’s, Süße!“
Sie drehte sich um und ging auf die Tanzfläche. Die Musik war gut, der Club war so voll wie fast noch nie und die Party lief in vollem Gange.
Ich sah Emily von der Bar aus zu, wie sie sich auf der Tanzfläche zur Musik bewegte und dann irgendwann in der Masse verschwand während ich an meinem Drink nippte. Die Masse auf der Tanzfläche wurde in schimmerndes Licht getaucht, welches hin und wieder grell aufleuchtete und im Rhythmus der Musik die Farbe wechselte. Mein Blick wanderte durch den Club über die Sitzloge, über die Bar, vorbei an den Tanzpodesten. Alles war belegt und voll. Ich lächelte. Mir gefiel es ein Teil vom großen Ganzen zu sein. Hier zu sein und zu feiern. Fast in diesem Augenblick wechselte der Song und ich erkannte den Beat. Jetzt bekam ich auch Lust zu tanzen. Ich wandte mich wieder der Tanzfläche zu. Das Licht wurde dunkler und die Nebelmaschine tauchte alles in eine fast schon mystisches Atmosphäre. Und da sah ich ihn. Mitten auf der Tanzfläche bewegte sich sein Körper vage aber dennoch unglaublich sexy zur Musik. Sein Gesicht leuchtete im gedimmten Licht. Ich stand von meinem Barhocker auf, ihn immer noch im Blick, und steuerte dann auf die Tanzfläche zu. 

Zeig mir wie du tanzt
und ich sag dir wer du bist.

Ich bewegte mich ebenfalls zur Musik und bahnte mir einen Weg durch die Masse direkt auf ihn zu.

Und so wie du guckst
weiß ich wonach dir ist.

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er mich entdeckte. Er taxierte mich mit seinem Blick und bewegte sich nun ebenfalls auf mich zu.

Zeig mir wie du sprichst
und ich sag dir was du hörst.
Ich will wissen wie du riechst
und ob du mich betörst.

Als wir uns nun fast gegenüber standen hatte er mich mit seinem Blick fast schon verschlungen. Ich tanzte ihn provozierend an und wartete dann ab was von ihm kommen würde, immer mit dem Blick auf seinem Gesicht.

Und so wie du tanzt,
kann ich fühlen wer du bist.
Und fast wie in Trance
lassen wir uns drauf ein.

Er kam immer näher. Sein Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von meinem entfernt. Ich spürte seinen heißen Atmen auf meinen Wangen. Unsere Körper bewegten sich fast schon synchron zum Rhythmus der Musik. Ich konnte seine Hüfte an meiner spüren. Seine Hände umfassten meine Taille. Unsere Blicke lösten sich nicht eine Sekunde voneinander.

Und so wie ich tanz
seh‘ ichs funkeln in deinem Blick.
Wir verschmelzen ganz sanft,
fast von allein.

Seine Lippen legten sich langsam auf meine. Er war unglaublich weich und sanft. Er schmeckte nach Alkohol und Limetten was ich in dem Moment total anziehend fand. Ich drängte mich weiter an ihn und erwiderte den Kuss.

Zeig mir wie du küsst
und ich sag die obs mir schmeckt.
Zeig mir wie du dich bewegst
und ob du meine Sinne weckst.
Zeig mir du tanzt
und ich fühl dich.

Ein Keuchen entwich meinen Lippen als er mit seinen Händen hoch von meinen Hüften über meinen Rücken fuhr. Er presste seinen Oberkörper auf meinen und zog meinen Po zu sich heran. Sein Kuss wurde intensiver und mein Körper bebte in seinen Händen.
Als er über mir lag, mich sanft küsste, meinen Hals liebkoste und dann vorsichtig in mich eindrang klang das Lied in meinem Kopf nach.

Und wir verschmelzen ganz sanft,
fast von allein.

(zeig mir wie du tanzt ~ frida gold)

Foto by J.H. Artworks

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