Musikgeschichten #7 oder Das Beste gegen Liebeskummer

Geschichten

„Photograph“ von Ed Sheeran

Sie drehte sich um.
Er drehte sich um.
Aber da war niemand mehr.
Niemand der sie aufhielt zu gehen.
Niemand der ihn aufhielt zu gehen.

We keep this love in a photograph,
we make these memories for ourselves.
Where our eyes are never closing,
hearts are never broken,
and time’s forever frozen still.

Die Wohnung wirkte als wäre sie vor langer Zeit verlassen worden.
In den Räumen Stille.
Der Flur, so breit und frei er doch war, so ruhig fand man ihn vor.
Der Parkettboden, der überall strahlte und glänzte, als hätte man ihn vor kurzem erst geputzt und gewachst, war das einzige Anzeichen dafür, dass hier jemand lebte.
Für einen kurzen Moment schien es als hörte man Stimmen, lachen, tanzen, Diskussionen, Streit. Für einen kurzen Moment sah man verblasst einen Mann und eine Frau durch die Räume laufen. Ein Hund, der mit einem Ball tobte. Doch nach einem Augenzwinkern war alles wieder verschwunden.
Alles was man sah war diese ruhige, stille, verlassene Wohnung. Und dieses Bild. Dieses Bild, welches an der Wand lehnte und keiner wusste, warum es hier noch stand.
Wenn man genau hinsah erkannte man sie darauf. Wunderschön verloren in einer getroffenen Fotografie.
Er behütete dieses Bild als wäre es sein Herz. Und wer weiß, vielleicht war es das ja auch.

Ich werde gehen mit allem was ich habe, außer meinem Herz, das werde ich zurücklassen…
“Happier” von Ed Sheeran

Cause baby you look happier, you do
my friends told me one day I’ll feel it too
and until then I’ll smile to hide the truth
but I know I was happier with you…

Du bist ein wundervoller Mensch und ich werde dich vermissen. Ja, ich werde um dich weinen, ich werde Nächte wach liegen und mich nach dir sehnen. Ich werde leiden, mein Herz wird bluten und ich werde seelische Schmerzen durchstehen.
Dennoch werde ich die guten Zeiten in Erinnerung behalten und aus den schlechten Zeiten werde ich lernen.
Ich werde mich finden, zurückfinden, vielleicht aufleben, vielleicht so bleiben.
Ich werde mit einem Lächeln auf den Lippen an unsere Zeit, an dich denken.
Du warst vielleicht der einzige, der mir zum ersten Mal gewachsen war. Du bist bis jetzt der einzige, der mich zum Wachsen gebracht hat.
Harmoniert, hast du gesagt, haben wir nicht. Schade, nicht für dich. Im Nachhinein vielleicht auch nicht für mich.
Wir hatten nichts gemeinsam. Und vielleicht doch mehr als wir dachten.
Wir hätten unterschiedlicher nicht sein können.
Wir waren beide stur. Und dennoch haben wir unseren Weg gefunden.
Ich werde nicht konkurrieren mit einer Person, die dein Herz schon lange erobert hatte und ich möchte nicht im Weg stehen.
Ich bin mir selbst mehr Wert.
Ich wünsche dir aus vollem Herzen ein glückliches Leben, die Liebe deines Lebens, egal wo du sie finden wirst, und die Erfüllung in all den Dingen, die du liebst.
Ich werde dich immer in guter Erinnerung behalten.
Denn, ich liebe dich. Und das war alles was ich immer getan habe. Aber manchmal reicht das nicht. Manchmal ist das einfach nicht genug.

Halte mich in deinen Armen, so wie du es letzte Nacht getan hast…
„Afire Love“ von Ed Sheeran

Darlin‘ hold me in your arms,
the way you did last night
and we’ll die inside
for a little while here.
I could look into your eyes
until the sun comes up
and we’re wrapped in light and life and love.
Put your open lips on mine
and slowly let them shut
for they’re designed to be together.
With your body next to mine
our hearts will beat as one,
and we set alight, we’re afire love.

Ich sah ihn von der Seite an. Er sah konzentriert aus. Ich musterte ihn eingehend. Jedes Merkmal in seinem Gesicht, jede Kleinigkeit an seiner Kleidung, jedes Bisschen saugte ich in mir auf. Dann schloss ich die Augen und senkte den Kopf. Ich atmete, verinnerlichte mir sein Bild vor meinen geschlossenen Augen. Mein Herz schrie. Ich war still, so still wie noch nie.

Er schlang seine Arme um mich und zog mich an sich. Ich vergrub mein Gesicht an seiner Brust, weinte. Er legte seine Lippen auf meine Stirn, weinte. Tränen, die wir nie geweint hatten. Tränen, die uns bei unseren Entscheidungen helfen sollten. Tränen, die heilen sollten. Tränen, die in diesem Moment, zu dieser Zeit, genau richtig waren.

Mein Gesicht an seinem während wir die letzten Schritte unseres Lieblingsliedes tanzten. Seine Lippen, die über meine Wangen, mein Gesicht, meine Haare wanderten. Die Nähe, die so unfassbar gut tat.

Die Stille, die uns umgab, während wir liefen. Im Wald, um uns zu vergessen oder zu verdrängen. Um etwas nicht aussprechen zu wollen, obwohl es da war.

Sie, die nur auf der Terrasse sitzen musste um das Fünkchen, welches vielleicht noch da war, zu zerstören.

Wir, nebeneinander liegend. Die Sonne, die durchs Fenster schien. Unsere Augen, die Blicke tauschten und dennoch nichts sagten.

Und das Schweigen, das ewige Schweigen, welches uns, mich, erdrückt hatte.

Du. Ich. Sie. Wir. Ihr. Ich.

Der Krieg, der zu Ende ist und der hätte nie geführt werden dürfen…
„Shirtsleeves“ von Ed Sheeran

I still taste salt water
on my lips from your kiss: bitterness
and I drown within the ocean you made
and I hate to love you, these cuffs covered in your make up
I’ll never trust you again
you can just be a friend

Nach all der Zeit, nach den großen Kämpfen, nach dem Krieg, den ich geführt hatte, gehofft hatte, dass du mich irgendwann durch diese Schutzmauer lässt, durch diese Fassade, dich mir anvertraust. Nach dem Kampf den ich geführt habe, um für dich da sein zu dürfen, mehr für dich sein zu dürfen, deine Freundin, die du liebst, sein zu dürfen, gab ich auf.
Ich legte meine Waffen nieder und gab auf. Ich akzeptierte, dass ich nichts ändern konnte, dass nur du die Entscheidung treffen konntest mich an dich ran zu lassen. Ich schlug die Augen nieder und gab mit hängenden Schultern auf.
Akzeptierte das Ende. Akzeptierte, dass ich dir nie was bedeute hatte, akzeptiert, dass ich dir nie wichtig genug war mich an deinem Inneren teilhaben zu lassen.
Und genau in diesem Moment hieltest du mich auf und legtest mir dein schlagendes Herz in die Hand. Mit Tränen in den Augen hast du versucht dich mir auf deine Weise mitzuteilen. Mir deine Welt zu zeigen, die so kompliziert und so wundervoll gefühlvoll und sensibel ist.
Und die Kriegerin in mir wurde zur Heilerin und ich nahm dich an mich und versuchte mit allem was noch übrig war deine Welt zu halten und zu helfen und zum ersten Mal an deiner Seite mit dir zu kämpfen. Ich versorgte deine Wunden und wusste dennoch, dass es nach dem langen Kampf Zeit war zu gehen. Und nachdem die Kriegerin ihre Waffen niedergelegt hatte und die Heilerin die Wunden verarztet hatte und alles getan war was jemand Außenstehendes tun konnte, ging ich, denn ich wusste die Heilung seelischer Schmerzen beginnt mit dem Öffnen und danach mit der Selbstheilung. Und so ließ ich dich zurück, damit du heilen konntest und ich endlich anfangen konnte meine Wunden zu verarzten und meine Schmerzen zu verdauen. Denn nicht nur du hast Schmerzen erlitten, ich auch und ich leide immer noch.

„Herz über Kopf“ von Joris

Sie drehte sich ein letztes Mal um. In ihren Augen konnte man die Tränen sehen, die sie krampfhaft versuchte zurückzuhalten.

Du hast mich lang nicht mehr so angesehen,
hab viel zu oft versucht uns zu verstehen.
Die Augen treffen sich, der Wein ist schon halb leer.

Langsam zog sie die Türe hinter sich zu und ging die Treppe nach unten.

Oh, ich weiß ganz genau, was du grad denkst,
der Zug ist abgefahren, die Zeit verschenkt,
fühlt sich so richtig an, doch ist so falsch.

Vor ihrem inneren Augen liefen kurze Flashbacks ab. Ein letztes Mal zusammen gekocht. Ein letztes Mal getanzt. Ein letztes Mal ein Glas Wein getrunken.

Und immer wenn es Zeit wär zu gehen,
vergess ich, was mal war und bleibe stehen.
Das Herz sagt bleib, der Kopf schreit geh.

Vor dem Haus sah sie sich nochmal um, wollte die Straße in Erinnerung behalten, als ob das irgendwas ändern könnte.

Trägst deine Haare immer noch wie früher,
und du tanzt genau wie früher.
Die Augen treffen sich, der Raum ist schon halb leer.

Der Wind wehte ihr die Haare ins Gesicht und sie stellte sich vor was wäre, wenn sie bliebe.

Haben uns so oft gesagt es geht nicht mehr.
Das war am Anfang schwer, doch jetzt viel mehr.
Musik ist aus und du kommst immer näher.

Und dann ging sie. Mit allem was sie hatte. Nur ihr Herz ließ sie zurück. Zurück bei ihm auf der Brust in der Hoffnung, dass er es für sie weiterschlagen ließ.

„Halt dich an mir fest“ von Revolverheld

Du hast mich lang nicht mehr so angesehen,
hast mir lang nichts mehr erzählt.

„Was ist das zwischen dir und mir? Fühlst du noch etwas für mich?“
„Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung.“

Du rufst mich an und sagst du weißt nicht mehr,
weißt nicht mehr, was dich berührt.

„Was ist zwischen dir und ihr? Hast du noch Gefühle für Sie?“
„Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung.“

Die letzten Jahre haben dich aufgewühlt,
und dich nur noch mehr verwirrt.

„Möchtest du, dass ich bleibe?“
Jetzt sah er mich an. Mit seinen großen braunen Augen sah er mich an.
Verzweifelt verzog er das Gesicht.
Tränen spiegelten sich jetzt in seinen Augen.
„Ich weiß es nicht.“
Vorsichtig versuchte ich meine Hand nach ihm auszustrecken, um sie dann wieder sinken zu lassen.

Halt dich an mir fest, wenn dein Leben dich zerreißt.
Halt dich an mir fest, wenn du nicht mehr weiter weißt.
Ich kann dich verstehen.
Halt dich an mir fest, weil das alles ist was bleibt.

„Möchtest du, dass ich gehe?“
Jetzt hatte ich Tränen in den Augen.
Er war qualvoll lange still. Ich sah, dass es in ihm kämpfte, dass er selbst nicht wusste, was er tun oder sagen sollte.
„Ich glaube… das wäre besser für uns beide.“
Ich schlug die Augen nieder und nickte.

Ich lass das Licht an bis du schlafen kannst,
doch du wälzt‘ dich hin und her.
Schläfst die Nächte von mir abgewandt,
bist du einsam neben mir?

Meine Hand wanderte streichelnd über deinen Rücken während du neben mir unruhig schliefst. Es zerriss mich, dass ich nicht mehr tun konnte. Da drehtest du dich um und schlangst deine Arme um mich wie ein hilfesuchender Ertrinkender und als du dein Gesicht an meines drückst spürte ich deine von den Tränen nassen Wangen.

Siehst du den Weg aus dieser Dunkelheit
Willst du raus, ich bin bereit.
Das kann nicht alles schon gewesen sein.
Ich glaub an uns und unsere Zeit.

In diesem Moment begriff sie, dass sie ihm nicht helfen konnte.
Er musste sich selbst helfen. Und sie begriff, dass er Recht gehabt hatte.
Auch wenn ihr Herz schrie und sich wehrte, es war besser zu gehen.
Und so ließ sie ihn los.

 

2 Gedanken zu “Musikgeschichten #7 oder Das Beste gegen Liebeskummer

  1. Ein sehr sehr traurige Geschichte, die zeigt das es wohl für beide eine sehr große innige Liebe war und vielleicht auch noch ist. Und trotzdem ist diese Geschichte irgendwie auch sehr schön, denn sie zeigt wie nah sich Menschen kommen … nur durch Liebe!

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