Musikgeschichten #6

Gedanken, Geschichten

Genießt das Wetter, die Musik und das Leben. Es wird kein anderer für euch tun.
„Little Numbers“ von Boy

I waited for your call for the moon,
to release me from the longest afternoon,
looking at the cars that drive on by
while spring is making promises outside.
Seven little numbers, Baby, they could be a start.
All the pretty things that we could be,
I feel you in every heart beat,
were you ever in a dream that could come true.
These numbers could be lucky for you.

Ich sah raus in den strahlend blauen Himmel. Aufgeregt hüpfte ich von einem Bein auf das andere. Ich freute mich unglaublich auf den Nachmittag. Meine kleine Hündin sah mich erwartungsvoll an und stupste mich am Bein an, um mich aufzufordern ihr ihren Ball zu werfen. Aufgeregt wie ich hüpfte sie durchs Wohnzimmer. Ich tanzte durch die Wohnung, lachte aus vollem Herzen und sang den Song im Radio mit.

Weil Wasser leben sein kann…
„The Ocean“ von Mike Perry

I to stay a little longer now,
arms around me like a border,
like an endless stream.
You take me in, to a place that I’ve never been.
Now I’m giving in to your touch,
I will never get enough.
Dive in deep into the ocean.

Sie tauchte auf und holte tief Luft. Die Sonne spiegelte sich in den Wassertropfen, die von ihrem Körper abperlen wie kleine Edelsteine. Ihr Blick wanderte über den Rand des Pools hinaus auf das offene Meer über das sie problemlos schauen konnte, da sie sich auf einer erhöhten Poolanlage befand. Sie war allein. Der Sonnenaufgang war wunderschön und es hatte sich jede einzelne Sekunde gelohnt früher aufzustehen um jetzt diesen Ausblick zu haben.
Und immer in diesen Momenten wurde ihr bewusst, dass all das Geld doch nichts wert war, wenn man diese unscheinbaren und doch trotzdem so kostbaren Dinge wie ein Sonnenaufgang nicht genießen konnte.

Manchmal fragst du dich, was du aus diesen Situationen im Leben lernen solltest.
„Psychopath“ von Charlotte Lawrence

Cause I don’t need your love, I don’t need your cash,
I don’t want your stupid shit, you can have it back,
you keep saying that I’m crazy not to take you back,
but if that makes me crazy, you’re a psychopath.

Sie saß da und starrte auf ihr Handy. Der lange Text war nicht das Erschreckende. Das war normal. Nein, viel schlimmer war, dass er ihr überhaupt schrieb. Er hatte sie vorhin angerufen und sie hatte ihn direkt weggedrückt. Sie wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Warum verstand er das nicht?
Sie ersparte sich den Text und scrollte ans Ende, denn irgendwas wollte er ihr ja sagen.
„Entweder du holst sofort deine Sachen oder ich kann für nichts mehr garantieren.“
Jetzt bekam sie wirklich Angst.
Es war ja nicht so als hätte er nicht schon viel schlimmere Sachen in der Beziehung abgezogen.
Sie kopierte die Nachricht und sendete sie an ihren besten Freund.
„Bitte, wir müssen heute dorthin fahren. Du hast keine Ahnung zu was er fähig ist.“
Keine Sekunde später kam die Antwort.
„Ich bin in einer halben Stunde bei dir.“

„Auflösen“ von den Toten Hosen

Wenn du zur Nacht kommst,
und alles um uns still wird,
und du nur noch Atem für mich bist,
weiß ich, dass uns nichts passieren kann,
in diesem Moment.

Sie lag auf dem Bauch in diesem riesigen Bett. Die Kerzen um sie rum beschienen flackernd ihren nackten Körper. Sie konnte seine heißen, weichen Lippen auf ihrem Rücken spüren, die sich küssend einen Weg über ihre Haut bahnten. Sie hatte die Augen geschlossen und genoss die innige und liebevolle Zuwendung, die er ihrem Körper zuteilwerden ließ.

Ich habe nichts zu fragen,
ich habe nichts zu sein,
wenn ich in deine Tiefe versunken bin,
als ob von ihr nichts übrig bleibt,
so fühl ich mich.

Vorsichtig drehte sie sich um und er nahm sie liebevoll in die Arme, während sich ihre nackten Körper aneinander schmiegten. Seine großen männlichen Hände, so rau sie doch waren, so sanft und zärtlich fingen sie an ihren Körper zu streicheln. Er bahnte sich kleine Wege über ihren Rücken, über ihren Po, nach oben über ihren Bauch, zwischen ihren Brüsten hindurch, bis sie an ihrem Dekolleté ankamen. Sie beobachtete und fühlte jede Berührung. Eine wunderbare Wärme und Zuneigung breitete sich in ihr aus während auch sie langsam ihre Hände auf seine leicht behaarte Brust legte.

Wenn wir uns jetzt auflösen,
sind wir mehr als wir jemals waren.
So wollen wir uns bleiben,
nach diesem Tag.

Er sah ihr tief in die Augen und nahm ihr Gesicht in seine Hände während sie sich in seinem Blick verlor. Ein tiefe Liebe und Zuneigung überflutete sie als er sie endlich küsste. Liebevoll und vorsichtig, als könnte er irgendwas kaputt machen, wenn er sie etwas zu fest berührte. Sie seufzte auf und gab sich ihm voll hin.

Wenn du bei Tag bleibst
und du mir nichts versprichst,
vergrabe ich mein Herz in dir,
und es kann alles passieren,
in diesem Moment.

Ein bisschen mehr sein. Mit dir immer ein kleines Stückchen mehr sein.
„Eisener Steg“ von Phillipp Poisel

Ich atme dich ein
und nie wieder aus.
Schließ‘ dich in mein Herz.
Lass dich nicht mehr raus.
Ich trage dich bei mir,
in meiner Brust.
Hätt‘ alle Wege verändert.
Hätt‘ ich sie vorher gewusst.

Ihre Lippen an seinem Hals. Kein Kuss, eher eine sanfte Berührung. Kein Wort konnte das Gefühl beschreiben, welches in diesem Moment in ihr aufstieg. Diese Berührung, so vorsichtig und sanft, fast wie ein Versehen. Eine Frage? Eher ein Versprechen. Ein Versprechen auf mehr, auf sie und auf ihn. Sie schloss die Augen und hielt genau in dieser Berührung inne. Sog den Moment in sich auf und atmete. Ihren heißen Atem auf seine Haut.
Seine Hand auf ihrem Rücken, streichelte. Umfasste ihre Hüfte, zog sie an sich. Seine Hand auf ihrem Bein, sanft. Nicht grob. Nicht forsch und schon gar nicht fordernd. Einfach nur liebevoll. Ein, ich bin für dich da. Ein, du kannst dich hier fallen lassen. Ein, entspanne dich.
Ihre Hand auf seiner Brust, vorsichtig. Abwartend. Aufpassend. Danach ein Seufzer aus ihrer Kehle. Ein entspanntes Zurücksinken an seine Brust. Die Augen schließend. Genießen. Seit sehr langer Zeit ein ruhiger Moment in sich gekehrt sein. Zufrieden. Mit sich und der Umgebung und dem sein. Seine Hand, die entspannend ihren Rücken streichelte und die andere ihr Gesicht umfasste. Mehr sein. Mit ihm zusammen gemeinsam entspannt sein.

Alles was wir aneinander haben, so ein Gefühl hatte ich nie zuvor…
„A little long time“ von Wonderwall

a little long time I watched TV,
a little long time I drank my tea,
a little long time I tapped my food,
but all the time I thought of you

Sie saß eingekuschelt in ihrer rosa Decke auf dem Sofa mit ihren Lieblingskeksen in der einen und einer großen Tasse Tee in der anderen Hand.
Sie hatte sich vorgenommen heute den ganzen Tag Liebesfilme anzusehen und nur an sich selbst zu denken und sonst an niemanden.
Wäre da nicht er gewesen. Er, der ihr jetzt schon seit ein paar Tagen den Kopf verdrehte und sie gar nicht wusste, ob sie das überhaupt wollte.
Und ehe sie wirklich auf Play gedrückt hatte, um den ersten Film zu starten, war er ja schon wieder in ihren Gedanken.
Sie schüttelte den Kopf, als könne sie somit die Vorstellungen und Gedanken vertreiben. Doch, da hatte sie sich leider geirrt. Ungehindert lächelte er sie in ihren Gedanken an und küsste sie auf die Wange.
Reiß dich jetzt zusammen. Sie schlug sich die Hände vors Gesicht, doch das änderte leider auch nichts an ihrer Situation. Frustriert stand sie auf, ging zu ihrem Handy und rief ihn an.
„Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf. Kannst du bitte aufhören darin dein Unwesen zu treiben, ich wollte heute nur für mich sein. Und du raubst mir gerade diese Zeit.“
Am anderen Ende lachte er.
„Ist ja gut, dass dich das amüsiert, dann hat wenigstens einer von uns zwei heute seinen Spaß.“
Natürlich konnte sie sich ein Grinsen auch nicht verkneifen, aber das musste er doch nicht wissen.

Hallo Sommer! Lass mich ein bisschen auf dir fliegen. Mich tragen von den Sonnenstrahlen. Vielleicht in deinem Leuchten verlieren.
„Sonnenmädchen“ von Lizot

Ich kann dich sehen wie du leuchtest,
in der Menge wie du lachst,
wie du singst und wie du fliegst.
Nichts ist heller als dein Licht.
Ich sehe nichts außer dich.
Sonnenmädchen tanz für mich, tanz für mich.

Er sah sie in der Menge stehen. Sie fiel ihm sofort ins Auge. Es war nicht ihre Kleidung, ein besonderes Merkmal an ihren Haaren oder sonst etwas Auffälliges weswegen sie ihm sofort aufgefallen war. Nein, es war ihre unfassbar intensive Ausstrahlung von Glückseligkeit. Man konnte dieses Zittern in der Luft um sie herum fast sehen mit welchem sie ihre Umgebung zum Leuchten brachte. Ein lachenderes und strahlenderes Gesicht hatte er noch nie gesehen. Und ihn erfüllte eine Sehnsucht. Eine tiefe Sehnsucht nach genau diesem Gefühl. Und während er sich noch fragte, wie sich das Gefühl wohl in Worte definierte, blitzte dieses vor seinen Augen auf, als sie anfing zu tanzen. Federleicht, als wäre sie eine Wolke getrieben von nichts und niemand, schwebend in ihrer ganzen Glückseligkeit.
Das war Freiheit. Dieses Mädchen war das Sinnbild von Freiheit. Und als er das Begriff wurde seine Sehnsucht noch stärker.
Diese Gefühl frei zu sein, von niemandem beherrscht zu werden und niemandem Rechenschaft schuldig zu sein. Das wollte er so sehr, dass es ihn fast zerriss.
Und sie tanzte und lachte und strahlte und war frei. Genau in diesem Moment.

„Das Gesetz wird euer neuer bester Freund. Behandelt es so und es wird euch bei eurer Prüfung treu zur Seite stehen.“
„Morgen“ von Chima

Morgen bin ich wieder dabei
und morgen sind die Ausreden vorbei,
morgen, weil ich heute nicht kann,
morgen, nehme ich mein Leben in die Hand,
erst morgen, aber dann richtig, Mann,
wenn nicht morgen, wann denn dann?

Ich saß auf der Veranda. Die Sonne schien über den großen Garten vor mir. Vor mir lagen meine Bücher. Mein Block und meine Skripte. Lernen. Vorwärts kommen. Weitermachen. Ich konnte mir tausend Sachen vorstellen, die in diesem Moment schöner gewesen wären. Meine Motivation sank gegen Null. Ich sah auf, sah meinen Vater im Liegestuhl ein Buch lesen, meine Mutter mit meinem Hund unter dem Apfelbaum im Schatten ein bisschen toben, mein Bruder mit seiner Freundin Federball spielen. Und ich saß hier. Mit diesem 10 kg schweren Gesetz welches mich anschrie, ich solle es endlich auswendig lernen.
Ein Seufzen entwich mir und dann nahm ich wieder meinen Stift in die Hand und begann weiterzumachen.
Denn wenn nicht heute, wann denn dann?

Deine Hände in meinen und deine Wange an meiner lässt die Welt leuchten, doch die Unsicherheit in mir lässt das Leuchten erlöschen.
„Unsteady“ von X Ambassadors

Hold, hold on, hold on to me,
cause I’m a little unsteady,
a little unsteady.
Hold, hold on, hold on to me,
cause I’m a little unsteady,
a little unsteady.

Die Landschaft flog vor meinen Augen vorbei, als ich meine Stirn an die Fensterscheibe der Bahn lehnte. Es war ein bewölkter und diesiger Tag, der perfekt zu meiner Stimmung passte.
In meinem Kopf lief immer wieder die gleiche Erinnerung vom gestrigen Tag ab. Wie eine ewige, erbarmungslose Warteschleife.
Ich stand vor ihm, hatte seine Hände in meinen. Seine Augen verrieten mir den unendlichen Schmerz, den ich ihm gerade zufügte. Tränen, die über seine Wangen liefen. In mir zog sich alles zusammen, als ich daran dachte und jetzt, hier im Zug, kamen mir zum ersten Mal selbst die Tränen.
„Ich liebe dich“, hatte ich ihm zugeflüstert.
„Bitte warte auf mich, denn ich bin ein bisschen unsicher.“
Dann hatte ich ihm einen Kuss auf die Wange gegeben und mich abgewandt. Ich konnte ihm mein Leben im Moment nicht antun. Ich musste erstmal mit mir klarkommen. Aber in meinem Inneren wütete ein Krieg, welchen ich auf meine umstehenden Personen übertrug, wenn ich ihn nicht bald selbst besiegte.

Ob·ses·si·o̱n, Substantiv [die]Psychologie, eine zwanghafte Vorstellung oder Idee, die das Handeln eines Menschen bestimmen kann.
Titelsong „Obsession“ der Serie „Flesh and Bones“ von Starz

You are an obsession.
I cannot sleep.
I’m your possession.
Unopened at your feet.
There’s no balance.
No equality.
Be still.
I will not accept defeat.

In ihren Augen erkannte man den Kampf. Den Kampf, den sie in ihrem Inneren auszufechten versuchte, um endlich wieder frei sein zu können. Frei von dem Zwang, der sie immer wieder zu ihm zurückführte, zu ihm, seinem Körper, seiner Aura, seinem Sein.
Ihre Lippen, leicht geöffnet, sie stöhnte leicht, der innere Schmerz war kaum auszuhalten, denn sie drohte den Kampf zu verlieren.

Like a butterfly,
a wild butterfly,
I will collect you,
and capture you.

Ihre Hand wanderte zu ihrer Brust und versuchte an der Stelle, an der sich ihr Herz befand, zuzugreifen. Versuchte ihrem Herz zu helfen, welches sich gerade in zwei Teile teilte.
Eine Hand legte sich auf ihren Bauch. Er erschien hinter ihr. Seine ganze Präsenz nahm sie völlig ein. Der Kampf in ihr ging in die entscheidende Runde und ihr Herz fing an alle Messer auszupacken, um ihr Gedanken endlich frei zu kämpfen.

Obsession.
You’re my obsession.
Who do you want me to be,
to make you sleep with me?
You’re my obsession.
Who do you want me to be,
to make you sleep with me?

Sie schloss die Augen um seinen Anblick im Spiegel hinter sich nicht mehr ertragen zu müssen. Ihre Herz krampfte und ihr Kopf drohte zu zerspringen, als er ihr mit seinen Lippen eine feurige Spur von Küssen auf den Hals hauchte.
Da schmeckte sie Blut und als sie die Augen aufschlug und ihr Spiegelbild sah war plötzlich alles vorbei.
Ein Bluttropfen lief über ihre Lippe, ihre blauen Augen schwammen in Tränen und ihre Hand war nach unten zu seiner gesunken.
Sie packte seine Hand, nahm sie von ihrem Bauch, sah ihm über sein Spiegelbild in die Augen und hauchte
„Nein.“

Foto by J.H. Artworks

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