Zwei Jahre…

Gedanken

… alleine wohnen.
… alleine seinen Alltag bestreiten.
… lernen allein zu sein.
… Verantwortung für seine eigenen vier Wände übernehmen.
… in ein eigenes zu Hause kommen.
… sich zu Hause fallen lassen.
… ungezwungen machen was man möchte.
… Traum in Pastell.
… der Rückzugsort der süßen kleinen Lisa, die vom Land in die große Stadt gekommen ist, um hier etwas zu finden, was sie nie gedacht hätte zu finden.
Ihr inneres Geschichtenmädchen.

Der Flur 
„Pass auf die Wohnung ist nicht für große Menschen gemacht.“
„Die Decke ist niedrig, stoß dir deinen Kopf nicht.“
„Wohnst du wie Quasimodo in einem niedrigen Kirchturm?“
Er war vorhanden gewesen, aber auch unfassbar klein. Ich hatte ihn geliebt. Meine Schuhe und meine Jacken hatten Platz gehabt und hier war der Dreh- und Angelpunkt von allem passiert.
Wie viele Menschen in diesem Flur standen, die in meinem Leben Veränderungen hervorgerufen hatten. Gute oder schlechte. Ich bin für jede einzelne dankbar.
Und alles hat in diesem Flur angefangen.
Umarmungen zum Abschied. Umarmungen mit Tränen. Umarmungen zur Freude des Wiedersehens. Abschiedsküsse. Begrüßungsküsse.
Ein Ort an dem Aila ihren Platz gefunden hatte, immer wenn sie auf mich wartete.
An dem sie sich vor Freude überschlug, wenn ich nach nach Hause kam oder irgendjemand zu Besuch kam.
Ich werde dich vermissen.  

Das Wohnzimmer
Ich kann die Nächte nicht zählen, die ich auf diesem Sofa verbracht habe.
Das süße kleine Ikea Sofa, welches so viele Vintage und Liebe ausstrahle, dass es einfach zu mir gepasst hatte. Es war nicht groß und doch hatte es gereicht.
Für lange Filmnächte. Liebeskummer-Liebesfilm-Filmnächte. Wiederfindungs-Motivations-Serien-Marathons. Lustige-Komödien-Knaller.
Stille tränenvolle Momente.
Schmerzvolle, qualvolle Nächte.
Momente in denen man gelernt hat allein zu sein.
Momente in denen einem das kleine Sofa riesig vorkam, weil man unfassbar einsam war.
Momente in denen einem das Sofa viel zu klein vorklam, weil man mehr Abstand zwischen der Person auf der anderen Seite und sich selbst bringen wollte.
Erkältungen, die mit meiner Kleinen Maus im Schoß, einer Tasse Tee und einer Decke um die Schulter, überstanden wurden.
Gespräche, lustig und witzig, ernst, traurig und schmerzvoll, sinnvoll, Diskussionen.
Frühstücken, allein oder zu zweit. Mittagessen, allein oder zu zweit. Abendessen, allein oder zu zweit. 
Partys.
„Hast du eigentliche eine rosa Wand in deinem Wohnzimmer?“
„Äh nein, wie kommst du darauf?“
„Diese Wohnung ist so in sich stimmig und mit Details in rosa ausgestattet, ich dachte echt du hättest eine rosane Wand.“
„Das hier ist einfach Lisas Traum in Pastell.“
Ich danke jedem meiner Freunde und meiner Familie, die hier waren für die einzelnen wundervollen Momente in diesem Wohnzimmer. Ihr habt mit mir zwei Jahre eine Geschichte geschrieben, die für immer in dieser Wohnung und meinem Herzen verankert sein wird.
Ich werde dich vermissen. 

Die Küche 
„Du hast nicht im Ernst einen rosanen Toaster und einen rosanen Wasserkocher?“
„Ist das eine rosane Mikrowelle? Das es so etwas überhaupt gibt.“
„Warum hast du zwei Waschbecken in der Küche?“
Ich habe diese Küche gliebt, denn ich habe sie selbst ausgesucht. Sie war so tricky zum einbauen gewesen, er hat über eine Woche gebraucht und doch ist sie wundervoll geworden.
Sie war genau in dem Landhausstil, den ich mir immer gewünscht habe.
Sie war süß, hatte Blümchen an den Wänden, Holzakzente und natürlich rosane Hingucker.
An das Ritual sich morgens zu richten während man gleichzeitig Tee kochte hatte ich mich sehr schnell gewöhnt.
Einkäufe eingeräumt. Spülmaschine eingeräumt. Hund gefüttert.
Morgens der letzte Ort an dem man sich aufgehalten hat.
Abends der erste Ort an den man zurück kam.
„In der Küche finden die besten Partys statt.“
Diese Karte hing ganz oben an meiner Magnettafel.
Und es war wahr.
Gekocht. Gebacken. Gelacht. Geküsst. Geredet. Gestritten. Diskutiert. Pläne geschmiedet. Nachgedacht. Umarmt. Gedanken geteilt.
Ich habe aufgehört die Nächte zu zählen, die ich in dieser Küche vor dem atemberaubenden Fenster verbracht hatte, denn dieses hatte den besten Ausblick auf die Stadt und den Vollmond gegeben.
Aber eins muss ich tatsächlich sagen. In der Küche war ich trotz, dass hier auch viele Gemeinsamkeiten mit anderen Personen stattgefunden haben, immer allein.
Meine Küche war immer der Ort für mich allein.
Mein Allein-Sein-Ort. Und meine Erinnerungen sind grundsätzlich die, in denen ich allein dort war.
Und das ist schön.
Ich werde dich vermissen. 

Das Schlafzimmer 
Angezogen. Ausgezogen. Wäsche aufgehängt. Gebügelt. Gelernt. Geschrieben. Gelesen. Inspirationen gehabt. Ideen zu Papier gebracht. Geschenke gebastelt. Rechnungen bezahlt. Pakete ausgepackt. Klamotten bestellt.
Geschlafen.
Ein privater Ort, an dem ich irgendwie nie privat war, durch das, dass es der größte Raum der Wohnung war und somit mein Schreibtisch und gefühlt hundert andere Sachen hier ihren Platz gefunden haben.
Mein Bett war und ist in den zwei Jahren in der Wohnung der Ort gewesen, an dem ich mich am wohlsten gefühlt habe.
Schlaflose Nächte. Einsame Nächte. Intime Momente. Lachende Momente. Telefonierend. Redend. Umarmungen. Küsse. Tränen. So viele unfassbare Tränen. Freude oder Leid. Manchmal liegt beides sehr nah beieinander.
Ich bereue nichts, was in diesem Zimmer passiert ist.
Es waren alles Momente, die ich in mein Herz aufnehme. Daraus lerne oder in schlechten Zeiten daraus schöpfe und ein Lächeln sich auf mein Gesicht legt.
Ich werde dich vermissen. 

Das Badezimmer
Winzig ist kein Ausdruck.
Man hatte sich nicht einmal umdrehen können und wenn man aus der Dusche kam musste man aufpassen nicht in die Toilette zu steigen.
Es war sauber und ausreichend gewesen.
An das Badezimmer habe ich nur eine wundervolle Erinnerung, die mir bis immer in Gedanken bleiben wird.
Die Nacht des Stromausfalls. Kerzenlicht beschien das kleine Zimmer während das warme Wasser meinen Körper hinabrann. Es hatte sich unwirklich und gleichzeitig so lebendig angefühlt.
Ansonsten war das Badezimmer und vor allem die Dusche ein Ort an dem ich mich immer meinem Kummer hingegeben habe. Man hätte denken können, das tut man an dem Ort an dem man sich am wohlsten fühlt. Hier das Bett. Doch das habe ich nicht.
Die Dusche mit dem warmen rieselnden Tropfen auf meiner Haut haben mich immer zusammenbrechen lassen.
Wie oft ich weinend auf dem Duschwannenboden gesessen hatte und mich meiner Trauer hingegeben.
Es war wundervoll gewesen. Und auch deswegen…
… werde ich dich vermissen. 

Danke für die zwei wundervollen Jahre in denen du mir hier ein zu Hause geschenkt hast.
Ein zu Hause für mich. Ein zu Hause für meinen Hund.
Eine Zeit, die ich nie vergessen werde. 

Wohnung ich ganz oft im Wohnzimmer bild

Fotos by J.H. Artworks

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