Stuttgart

Gedanken

Vom Land in die Stadt und von der Stadt zurück aufs Land.
Zwei Jahre Stadt haben gereicht.
Ich habe mich zwischen den Mauern, den Menschen, dem Grau, dem Gestank, dem Dreck und der Hitze nicht wohl gefühlt.
Es gibt Menschen, die sich nach nichts mehr sehnen, als den vollen lauten Stadtrummel und genau deswegen in die Stadt ziehen. Ich bin damals in die Stadt gezogen, um es einfach zu haben. Von den Fahrtwegen zur Arbeit. Und zur Weiterbildung. Um einfach mal in der Stadt gelebt zu haben, denn es ist jede Erfahrung, die ich hier gemacht habe, Wert gewesen. Und um einfach mal mehr wie zehn Minuten von Eltern entfernt zu leben. Denn auch das finde ich wichtig.

Stuttgart hat mir Auto fahren beigebracht.
Nach zwei Jahren kommt man in jede erdenkliche Parklücke, weiß wie man die Staus umfährt und kennt die Fahrtregeln mehrspuriger beampelter Straßen in- und auswendig.

Stuttgart hat mich gelehrt die U-Bahnen zu mögen.
Man kommt überall hin. Und das in kürzester Zeit. Sie fahren überall und es ist wahnsinnig einfach sich so fortzubewegen.
G
rundsätzlich habe ich alles über die U-Bahn gemacht.

Stuttgart hat viele schlechte Seiten.
In den zwei Jahren habe ich selten die schönen Seiten von Stuttgart gesehen. Das gebe ich wirklich zu. Vielleicht lag es an meiner Wohngegend, in der grundsätzlich Bars und Spielcasinos vertreten waren. Im Sommer war es laut und das Geschrei der Betrunkenen hat einen teilweise nachts um zwei geweckt. Ganz zu schweigen von der lauten Musik, die bis um die gleiche Uhrzeit durch die Wohnstraßen schallte. Im Sommer war es unerträglich schwül und der Gestank manchmal nicht auszuhalten. Die Betonwände der Häuser und der Asphalt war wie ein Spiegel, der die Hitze der Sonne zurückwarf.
Im Winter gab es keinen weißen Schnee, sondern nur grauen und schwarzen. Wenn es regnete, sah man nur Dreckwasser durch die Straßen laufen. Ich zähle die uneinsichtigen Hundebesitzer nicht, die auf dem kleinen grünen Viereck, welches nicht mehr als 10×10 Meter maß, es nicht für Nötig empfunden haben, die Hinterlassenschaften ihrer Hunde wegzuräumen.
Ja, die schlechten Seiten von Stuttgart haben tatsächlich überwogen. 

Stuttgart hat auch schöne Seiten.
Gerade in den letzten Wochen, es war gerade so als hätte Stuttgart gesagt, „Hey bitte geh noch nicht, ich habe auch gute Seiten“, offenbarte mir die Stadt ein paar schöne Dinge über sich.
Es gibt einen bestimmten Ort, an dem man über die ganze Stadt sehen kann. Den Abend und den Sonnenuntergang werde ich nicht vergessen.
Der Wald, in dem ich immer Gassi gelaufen bin, der mich ein kleines bisschen an zu Hause erinnerte.
Die Bars, Cafes und Restaurants, die so leicht und schnell zu erreichen waren und in denen ich wundervolle Abende mit netten und lieben Menschen verbracht habe.
Der See, an dem es sich angefühlt hatte, als wäre ich draußen auf dem Land.
Dieser Abend voller Glamour im Spielcasino, an dem ich mir vorkam wie in einer anderen Welt.
Der riesige Saal voller tanzender Menschen am Winterball.
Der Nachmittag, mitten in Stuttgart, der uns eine Auszeit gegönnt hat, inmitten all dem grün und der Tiere. Wilhelma.
Dieser eine Abend, der mich in das Universitätsleben eingesogen hat, an dem wir um unser Leben gefeiert haben und am nächsten Tag in den Arbeitsalltag zurückgekehrt sind.
Die Erreichbarkeit. Ja, die Erreichbarkeit von allem in kürzester Zeit und auch die Erreichbarkeit an Orte, die zuließen, dass man ausbrach. Ausbrach aus der Stadt, obwohl man mitten drin war. 

Ich werde niemals ein Stadtkind werden. Doch ich denke ich habe die Vorteile der Stadt kennen und schätzen gelernt.
Ich danke dir Stuttgart, für die Zeit, in der ich in deinem Herzen wohnen durfte. Ich gebe zu ich habe sie nicht vollständig ausgenutzt. Aber das was ich ausgenutzt habe, habe ich genossen und hat mich vieles gelehrt.
Ich gehe dennoch mit zwei lachenden Augen.
Denn ein Landmädchen weiß was sie erwartet, wenn sie nach Hause kommt.
Und das ist die Stille.
Und die Wälder und die Wiesen, die ihr ihre Geschichte erzählen und sie einladen mitzukommen auf ein weites langes Ausatmen. 

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