Sommerregen

Geschichten

Ich sah aus dem Fenster. Es regnete in Strömen. Die Straße sah grau, nass und verlassen aus. Ich legte mich auf mein Bett und hörte mir mein Lieblingslied an, welches meine Stereoanlage gerade abspielte. Ich dachte an Simon. Seine lockigen, blonden Haare, die immer ganz wirr um seinen Kopf tanzten. Sein strahlendes Lachen, das jeden schlechten Tag vertrieb und natürlich an seine grünen Augen. Pfefferminzblättergrün.
Genauso strahlten sie mich immer an.
Pfefferminzblättergrün.
Ich schloss meine Augen und lauschte dem Lied. 

I can hear the waves
in underwatercaves
as if you were
inside a saltwaterroom

„Deine Augen wechseln ständig ihre Farbe“, hatte Simon einmal zu mir gesagt. Ich hatte ihn verwundert angesehen.
Das kann nicht sein. Sie sind doch nur blau.“
Er hatte gelacht.
„Ja, aber immer auf die verschiedenste Art und Weise. Einmal sind sie dunkelblau, wie aufgewühltes, stürmisches Meer. Das ist, wenn du traurig bist.
Dann können sie so blau wie der strahlende Sommerhimmel sein. Meistens wenn du glücklich bist oder dich an etwas freust.
Und ein ganz anderes Mal sind sie so tief hellblau wie das ruhige Mallorcameer. Da Glitzern und Funkeln sie ganz aufgeregt. In diesem Moment weiß ich, dass es dir gut geht und du mit allem zufrieden bist.“
Ich lächelte bei dem Gedanken an seine Worte. Das war letzten Sommer gewesen. Wir hatten es uns damals an dem Pool seiner Tante gemütlich gemacht.
Das Klingeln meines Handys holte mich aus meinen Gedanken. Ich griff blind auf meinen Nachttisch und nahm es zu mir. Ich hatte eine SMS bekommen.
Hey Maya. Schau mal aus dem Fenster.
Simon.
Ich runzelte die Stirn. Was sollte denn das? Ich stand auf und ging ans Fenster. Und da stand er. Mitten im Regen. Nur mit einem T-Shirt und einer kurzen Hose gekleidet. Eigentlich war ja auch Sommer. Er sah hoch zu mir. Seine Locken hingen ihm nass ins Gesicht. Ich lächelte. In diesem Moment kam der beste Satz in meinem Lied. 

So tell me darling, do you wish we´d fall in love?

Schnell rannte ich aus meinem Zimmer, die Treppe hinunter und zur Haustür hinaus. Dann stand ich vor ihm. Er lächelte mich an. Über sein Gesicht liefen unzählige Regentropfen und auch ich war in kürzester Zeit nass bis auf die Knochen. Sommerregen. Er war schön, doch im Moment einfach egal. Das einzige was zählte war Simon, der jetzt einen Schritt auf mich zutrat und atemberaubend nahe vor mir stand. Seine Nase berührte fast meine. Er schaute mir direkt in die Augen. Ich erwiederte diesen Blick. 
„Maya“, flüsterte er. „Wir kennen uns jetzt seit drei Jahren. Ich weiß noch, als ich dich zum ersten Mal gesehen hab. Du bist total hilflos und gleichzeitig wunderschön durch die Schulgänge unserer Schule geirrt.“
Ich lächelte. Mein erster Schultag in dieser Stadt. Ich konnte mich gut daran erinnern.
„Du hast mich damals schon in deinen Bann gezogen. Ich will nicht länger warten.“
Simon schaute mich eindringlich und liebevoll an.
„Ich habe mich in dich verliebt, Maya.“
Er streichelte meine nasse Wange mit seinen tollen weichen Fingern. Ich schloss die Augen und genoss es. Dann antwortete ich ihm.
„Simon…“
Weiter kam ich nicht, denn schon spürte ich seine warmen, feuchten und weichen Lippen auf meinen. Es fühlte sich so unglaublich gut an. Ich schlang meine Arme um seinen Hals und er zog mich näher an sich.
Mein erster Kuss.
Mit Simon.
Im Regen. 

(the saltwaterrom ~ owl city)

Foto by Pit Maier

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