Zwei Fremde

Geschichten

Zwei Personen.
Zwei Leben.
Zwei Fremde. 

Sie lachte. Ein leuchtendes glockenähnliches Lachen. Man sah die Freude über ihr ganzes Gesicht. Ihre Grübchen und die rosigen Wangen. Dann wurde sie plötzlich Ernst und redete mit leiser Stimme auf die Person neben ihr ein. Man spürte plötzlich wie die Stimmung kippte. Wie sie Ernst wurde. Man fühlte und sah sofort, dass das Thema ihr wahnsinnig wichtig war. Sie redete ruhig und trotzdem voller Überzeugung. Man konnte an ihrer gesamten Körpersprache erkennen, dass sie praktisch dafür lebte. Egal, was sie gerade erzählte, aber es war ihr wirklich wichtig, es war ihr Leben.
Sie lief bestimmend, aber dennoch nicht arrogant die Straße entlang. Sie hatte ein Ziel vor sich, welches sie verfolgte. Jedoch mit Gefühl, nicht zu energisch. Sie hatte Termine, sie hatte Verpflichtungen. Sie war gewollt diese zu erfüllen, jedoch nach ihren Prioritäten.
Sie wollte gefragt werden, Aufmerksamkeit bekommen, nicht zu viel, aber genau im richtigen Maß. Sie wollte erzählen, sich mitteilen, jemandem wichtig sein, respektiert und akzeptiert werden.
Sie war eine Frau, aber auch gleichzeitig noch ein Mädchen. Sie liebte ihre Spielereien und Träumereien. Ihre Märchenwelt war ihr wichtig. Genau in der fand sie sich wieder, wenn sie sich über etwas freute, lachte, Spaß hatte.
Sie war eine wundervolle Person. Quirlig, witzig, lebensfroh.
Sie hatte ihren ganz eigenen Charakter und vor allem hatte sie eine wunderschöne Persönlichkeit. 

Zwei Fremde - Mit Hund wegschauend Bild

Er sah sich um. Immer im Bewusstsein unter Beobachtung zu stehen. Sehr darauf bedacht, seine Arbeit gut zu machen, um anderen ein Vorbild und eine Führungsperson sein zu können. Er wirkte sehr konzentriert. Nicht gestresst. Konzentriert. Er war intelligent, konnte wichtig und richtig von falsch und unwichtig unterscheiden. War aber nicht immer ganz richtig mit seiner Prioritätensetzung. Wenn alles wichtig war, wer musste dann zurückstecken?
Sein Gang war arrogant. Durch vieles was auf seinen Schulter lastete, hatte er auch manchmal den Anflug einer Arroganz entwickelt. Er war im Kopf immer in der Arbeit. Dachte in Zahlen und Gleichungen.
Wenn er mal losließ, konnte er nicht immer zuordnen, was ihm jetzt wichtig war. Er war immer allein. In dem Ausmaß, dass er nicht mehr wusste, wie viel und in welcher Dosis Aufmerksamkeit gut war. Seine Familie und Freunde waren da. Aber auch nicht immer. Er konnte einschätzen, zu wem und zu was er stand. Wusste nicht immer, ob er damit richtig lag.
Auf der einen Seite war er komplett geplant und hatte alles im Griff. Auf der anderen Seite wusste man manchmal nicht, ob er einfach lebte, oder es tatsächlich nicht unter Kontrolle hatte.
Er war eine wundervolle Person. Stark, mutig, intelligent.
Er hatte seinen ganz eigenen Charakter und vor allem hatte er eine wunderschöne Persönlichkeit.

Zwei Fremde - allein, Rücken zur Kamera Bild

Abends kam sie nach Hause, er saß auf dem Sofa. Ihre Blicke begegneten sich für einen kurzen Moment. Sie sprachen kein Wort miteinander. In ihrem Kopf stapelten sich die Fragen, doch sie sprach keine davon aus. Er würde sie sowieso nicht würdigen. Es interessierte ihn sowieso nicht.
Er sah die Nachrichten, als sie kam. Ihm war wichtig informiert zu sein, was auf der Welt passierte. Ihre Blicke trafen sich, als er aufsah. Er sah, dass es hinter ihren Augen kämpfte. Er sprach sie nicht an. Eine weitere Diskussion, die im Sande verlief. Ein weiterer Kommentar, der nicht angebracht war. Er konnte, egal was er sagte, nichts richtig machen. Also schwieg er. Und sie schwieg auch. 

Ein ruhiges stilles Haus.
Zwei schweigende, sich ansehende Personen.
Zwei Leben.
Zwei Fremde.

Zwei Fremde - Mit Hund Blick zur Kamera Bild

Fotos by J.H. Artworks

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