Eben keine Liebesgeschichte

Geschichten

für meinen #Partyknutscher

Die Musik war unglaublich gut. Der Bass dröhnte und ich schloss kurz die Augen, um die Melodie und die Beats in mich aufzusaugen. Jeder Cent dieses horrenden Eintritts hatte sich gelohnt. Mit meinem Drink in der Hand stand ich jetzt schon ungefähr zwei Stunden an dieser echt gut ausgestatteten, hübschen Bar und war total glücklich damit. Meine Freunde unterhielten sich angeregt miteinander und ich war ganz zufrieden, wenn ich mal nicht am Gespräch teilnehmen musste. Mein Blick wanderte durch den Club und ich hatte schon einige Jungs gesehen, die mir ziemlich gut gefielen. 

you’re a nice guy
and you’re looking for a nice girl to fall for you, for a lifetime
but that’s not my vibe, I’m just tryna have fun
you say love is blind, but that’s just some bullshit right there
cause I’m looking in your eyes, and they’re burning fire
Sex on my mind, and that’s what you want 

Ich fing an zu schmunzeln. Dafür war man ja auch schließlich hier, oder? Schauen und naschen. Wenn sich was ergab. Ich sah wieder in die Runde meiner Freunde. Viele waren mit Partner da. Ein paar wenige Jungs, die noch Single waren aus unserem Freundeskreis und ich. Ja, ich war das einzige Singlemädchen. Viele nennen sich „beziehungsunfähig“, aber was heißt das schon? Dass man keine Beziehung wollte, richtig. Wenn ich nach mehr wie nur Spaß aus wäre, könnte ich wetten, dass ich innerhalb einer Woche den perfekten Kandidaten für die Themen Heiraten, Ehe und Kinder gefunden hätte. Soweit war ich aber noch nicht. Noch lange nicht. 

wish I could tell you that I love you but I can’t
wish I could call you in the morning but I can’t
wish I could tell you that I miss you but I can’t
this is not a love song
I get excited when you kiss me like that
when we’re body to body like that
wish I could tell you that I want you more than that
But this is not a love song 

Mein Blick wanderte zu Felix, der seit einiger Zeit auch aufmerksame Blicke durch den Club wandern ließ. Er war der einzige in der Clique, der ein bisschen so lebte wie ich und auch auf Spaß für ein Abend aus war. So wie ich ihn von der Seite betrachtete sah er heute sogar richtig gut aus. Er bemerkte meinen Blick auf sich und sah mich an. Plötzlich und ohne Vorahnung schien der Moment in dem wir uns ansahen wie in Zeitlupe abzulaufen. Sein Blick auf mir. Seine Augen, die meine zu durchbohren schienen. Seine Gesichtszüge. Wie er seine Augen verengte, nachdem er meinen Blick traf. Ich öffnete leicht die Lippen, als ich seine Reaktion auf meinen Blick bemerkte.
Warum eigentlich nicht? 

sentimental guy, one of kind
really boy, that’s hard to find
but that’s not my type, you should find your other side
the apple to your eye, the yin to your yang
the blue to your sky, your kiss in the rain
the Mary to your Jane
but you should know that’s not my thing 

Ich streckte mein Kinn leicht vor, fing an zu schmunzeln und zog dann mein Gesicht im Ganzen wieder zurück. Die Masche zog immer. Und tatsächlich, Felix fiel voll darauf rein. Er legte seinen Kopf schräg und sah mich abwartend an. Genau da wo ich ihn haben wollte. Jetzt konnte ich tun und lassen was ich wollte und er würde mir aus der Hand fressen. Ich entschied mich für die Variante des Ignorierens, drehte mich also weg und setzte mich auf den Barhocker, der zu meiner Linken stand. Demonstrativ wandte ich meinen Rücken zu ihm und ließ meinen Blick wieder durch den Club wandern. Keine zehn Sekunden später spürte ich ihn in meinem Rücken.
„Weiß du was das Blöde an dieser ganzen Situation hier ist? Das „Duell der Meister“. Es gibt niemanden hier, der einen Jungen so schnell rumbekommt wie du und es gibt kein Mädchen, welches mir länger als zehn Minuten widerstehen kann.“
Ich zog eine Augenbraue hoch und drehte mich zu ihm um.
„Meinst du?“, fragte ich ihn abschätzend. Er fing an zu lachen.
„Also was tun wir? Wir können uns jetzt tatsächlich duellieren oder wir übergehen das Ganze und setzen dann ein, wenn egal wer gewonnen hätte. Und da ich der Mann bin, werde ich das wohl in die Hand nehmen.“
Meine andere Augenbraue schoss auch noch in die Höhe.
„Das hättest du wohl gern.“
Ich richtete mich auf meinem Barhocker kerzengerade auf und wollte mich gerade wieder zu meinem Drink umdrehen, als er rechts und links von mir seine Arme auf der Bar abstützte und mich somit davon abhielt. Sein Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von meinem entfernt und ich konnte sein dezentes Parfüm riechen. Um seine Lippen hatte bis eben ein schelmisches Grinsen gelegen, jetzt konnte ich in seinem Blick nur noch Lust sehen. 

here face to face, and we both know the truth
you’re calling my bluff, I can’t lie like you do 

Auch mich, ohne dass ich es je zugeben würde, machte die Nähe unglaublich an. Trotzdem konnte ich nicht einfach so aufgeben. Ich hatte einen Ruf zu verlieren. Ich legte meine Hand auf seine Brust und drückte ihn von mir weg, dann stand ich auf und verließ die Bar Richtung Toiletten, kurz vor dem schummrigen Gang angekommen, drehte ich mich um, und warf ihm einen bedeutenden Blick zu. Dann ging ich auf die Toilette. Im Spiegel sah mich eine wunderschöne Frau mit leicht erröteten Wangen an. Was war denn los mit mir? So sehr hatte mich noch keiner meiner Spaßliebeleien angemacht und vor allem, es war Felix! Was sollte das denn? Auf der anderen Seite, überlegte ich, warum sind wir da nicht früher drauf gekommen? Wenn wir beide Spaß wollten, warum denn nicht? 

this is not a love song
it’s all lies, it’s all lies
fairytale’s a waste of time
it’s all lies, it’s all lies
you know what I want, you know what I like
no need to pretend we’ll be happy in the end 

Ich wusch meine Hände und mein leicht rosiges Gesicht und ging dann vor die Toilette. Wie zu erwarten war, wartete er vor der Türe. Er ließ mir keine Zeit, um noch mehr Spielchen zu spielen. Er nahm mich, drückte mich an die Wand, stützte seinen Arm über mir an der Wand ab und fing an mich zu küssen. Langsam, zärtlich und total liebevoll. Wow, das hätte ich ihm überhaupt nicht zugetraut. Aber es fühlte sich gut an. Umwerfend gut. Ich lehnte mich genussvoll an die kühle Wand und ließ mich küssen. Er küsste gut, was nicht anders zu erwarten war, bei der Erfahrung. Ich fühlte mich sehr wohl und nachdem er kurz mit seinen Zähnen an meiner Lippe zog entwich mir sogar ein kleines Stöhnen. Er kam näher an mich heran, bis wir uns fast vollständig am ganze Köper berührten und schlang seinen freien Arm um mich. Ich wollte mehr, ich wollte ihn, ich wollte das was wir hier taten weiterführen. Wir küssten uns lange und intensiv. Mal langsam und lieb, mal leidenschaftlich und grob. Ich wusste nicht wie lang wir das taten, aber es fühlte sich gut an und machte Spaß. Ich wollte jede Sekunde mehr von ihm, näher bei ihm sein. Schlang meine Arme um seinen Hals und zog ihn zu mir herunter. Gott, fühlte sich das gut an. 

wish I could tell you that I love you but I can’t
wish I could call you in the morning but I can’t
wish I could tell you that I miss you but I can’t
this is not a love song
I get excited when you kiss me like that
when we’re body to body like that
wish I could tell you that I want you more than that 

Aber das wars dann auch schon. Es fühlte sich gut an und es machte Spaß. Mehr war da nicht. Und ob wir zwei jetzt noch zusammen nach Hause gingen bezweifelte ich, und selbst wenn, es wäre reiner Spaß. Eine Beziehung? Das würde für uns beide nicht in Frage kommen und das wussten wir. Und das war gut so. Denn ich hatte mein Leben noch vor mir und er auch. Dieses lief aber eindeutig nicht miteinander ab. Und darüber waren wir uns beide im Klaren.

 (not a lovesong ~ bülow)

ich erotik eben keine Liebesgeschichte bild

Fotos by J.H. Artworks

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