Ein neues Leben

Geschichten

für Sabrina, Amadeus und Laura  

Wir waren geboren um zu leben,
mit den Wundern jener Zeit.
Sich niemals zu vergessen,
bis in alle Ewigkeit.
Wir waren geboren um zu leben,
für den einen Augenblick,
bei dem jeder von uns spürte,
wie wertvoll Leben ist.
(geboren um zu leben ~ unheilig) 

Ich schlug meine Augen auf und sah ihn vor der Kinderwiege neben dem Bett stehen. Die Sonne schien durch das große, bodentiefe Schlafzimmerfenster und lies sein blondes Haar leuchten. Es war gut zu erkennen, dass es ein schöner und warmer Tag werden würde.
Mein Blick wanderte zu seinen Armen. Er hielt unser neugeborenes, kleines, zerbrechliches Baby an seiner Brust. Er streichelte es über den Rücken und legte sanft das Köpfchen auf seine Schulter. Ich fing an zu lächeln. Langsam drehte ich mich auf die Seite, um ihn besser beobachten zu können. Meine kleine Familie. Mein Glück. Die zwei wundervollsten Menschen in meinem Leben, im Sonnenlicht, in der morgendlichen Stille.  

So still, dass jeder von uns wusste, 
das hier ist für immer, 
für immer und ein Leben. 
(still ~ jupiter jones)

Es war perfekt. Eine Welle des Glücks schien mich zu überfluten. Er wiegte Laura im Arm und drehte sich dann vorsichtig um, um mich sehen zu können. Da merkte er, dass ich wach war. Als er das sah, fing er an über das ganze Gesicht zu strahlen. 

Wenn die Sonne scheint,
leuchtet dein Gesicht und meine Augen fangen an zu funkeln,
weil sie dein strahlendes Lächeln gefangen nimmt. 

 „Wie geht es dir?“, fragte er mich liebevoll.
Ich schloss die Augen und genoss den Klang seiner Stimme.
„Es geht mir gut“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Es ging mir nie besser.“
Vorsichtig legte er unser Mädchen zurück in die Kinderwiege, kam ins Bett und schloss mich in die Arme. Ich drückte mein Gesicht an seine Schulter, die noch nach Baby roch und fühlte mich unglaublich wohl. So lagen wir lange da. Irgendwann fing sie an zu weinen. Ich hob meinen Kopf und wollte aufstehen. Doch er hielt mich kurz zurück und küsste mich. Ich lächelte und küsste ihn nochmals. Er wollte mich an sich ziehen, doch ich befreite mich aus seinen Armen.
„Sie hat Hunger. Ich muss jetzt.“
Er küsste mich nochmal kurz aufs Haar und ließ mich dann zu unserem Kind. Er stand ebenfalls auf und ging zur Tür in Richtung Küche.
„Ich mache uns Frühstück. Bis gleich.“ Ein letzter lieber Blick in meine Richtung und ein kleines Zwinkern, dann war ich mit ihr allein. 
Ich ging zur Babywiege und nahm vorsichtig mein kleines zerbrechliches Baby auf den Arm. Sie beruhigte sich fast augenblicklich, als ich sie an meine Brust legte. Eine Gefühlswelle überflutete mich, als ich ihre Wärme an mir spürte und ihr einen Kuss auf das kleine Köpfchen gab. Und ich wusste, ich würde für sie alles tun. 

Ich atme dich ein und nie wieder aus.
Schließ dich in mein Herz.
Lass dich nie mehr raus.
(eisener steg ~ philipp poisel) 

~ 

Der Gong der Grundschule schlug zum Schulschluss dreimal und fast augenblicklich öffneten sich die großen Türen und die Kinder kamen auf den Schulhof gestürmt. Ein kleines Mädchen mit langen blonden Haaren rannte auf ihre Mutter zu, die draußen neben einem großen Baum auf ihre Tochter wartete.
„Na? Wie war es in der Schule heute?“, fragt sie ihr freudig strahlendes Kind.
Das Mädchen lachte und ihr hohes glockenähnliches Lachen ließ ein paar andere Eltern neidisch zu den Zweien hinüberschauen.
„Es war total schön, Mami. Wir haben Fensterbilder gebastelt für unsere Kinderzimmer. Ich habe eine kleine Igelfamilie gemacht. Können wir die zu Hause aufhängen?“
Ich ging in die Hocke und lächelte Laura an.
„Natürlich können wir sie aufhängen. Wenn du möchtest können wir das alle zusammen machen, wenn der Papa heute Abend nach Hause kommt.“
Laura sprang vor Begeisterung in die Luft und ihre lockigen Haare tanzten in der leichten Windbrise des Herbstes. Ich war immer wieder überrascht wie wunderschön sie geworden war. Ihre Leichtigkeit und ihre Lebensfreude begeisterten mich jeden Tag. 

Sie fegte über alle hinweg wie ein herrlicher, kindlicher, lebendiger und fröhlicher Wirbelwind.
Dabei hinterlässt sie ausnahmslos aufgewühlte Seelen. 
 

„Jaaa, ich möchte, dass Papa mich auf dem Arm hat während ich die Bilder an das Fenster klebe.“
Ich strich ihr eine Locke aus der Stirn und lachte sie an.
„Na das werden wir auf jeden Fall hinbekommen.“
Ich nahm ihre kleine Kinderhand in meine, richtete mich langsam auf und zusammen gingen wir Nebeneinander nach Hause. 

Und ich helf dir schwimmen,
wenn deine kleinen Arme und Beine schwer wie Blei sind,
helf ich dir schwimmen.
Und ich helf dir singen, wenn alle Worte nicht mehr reichen, viel zu leise sind allein,
helf ich dir singen. 

 Und wenn ich für dich fliegen muss, 
krieg‘ ich das irgendwie hin, 
Und wenn ich für dich fliegen muss, 
kriegen wir das irgendwie hin.
(fliegen ~ matthias schweighöfer)

Foto by Uta Kettermann

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